Heft Festmachen 2015

Festmachen - November 2015

Erbarmt euch derer, die zweifeln.

Judas 22 (Lutherbibel = Einheitsübersetzung)

festmachen 2015 11Der Zweifel gehört fest seit jeher zu unserem Lebensalltag. Das beginnt schon mit dem Brief, dem dieses Zitat entstammt. Der Verfasser dieses Briefes ist nicht mit jenem Jünger identisch, der Jesus verriet und sich kurz darauf selbst das Leben nahm. Nach einigen Theorien war dieser frühe Judas ein getriebener Zweifler, der Jesus aus Verzweiflung und innerer Zerrissenheit verriet.

Unser mutmaßlicher Verfasser ist deutlich jünger, denn der Brief wird auf das 2. Jahrhundert nach Christus datiert. Das Ziel dieses Briefes war, die damals noch kleine aber wachsende Christenheit an die Notwendigkeit zu erinnern, wachsam zu bleiben, im Glauben stark zu sein und Irrlehren abzulehnen. Doch besonders am Herzen schien dem Verfasser jener Appell zu liegen, den er gegen Ende des Briefes so eindringlich formuliert „Erbarmt euch derer, die zweifeln.“

Im vorangehenden Text mahnt Judas zur Festigkeit und Unbeirrbarkeit, aber plötzlich ermutigt er eindringlich zum kritischen Hinterfragen. Das Bedürfnis, etwas nicht sofort zu entscheiden, sondern erst Antworten auf drängende Fragen zu suchen, stellt er als hohes Gut dar.

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Festmachen - Dezember 2015

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden..

Jesaja 49,13 (Lutherbibel)

festmachen 2015 12

Land unter. Von Wasser umgeben. Kein Land in Sicht. Stürmisch ist es im Meer der Zeit. Hohe Wellen schlagen mir entgegen. In einer Nussschale Hoffnung unterwegs. Kein Land in Sicht. Kein Leuchtturm. Kein Licht, kein rettendes Ufer. Es muss doch weitergehen. Hier kann doch nicht das Ende sein.

So geht es auch den Bremer Stadtmusikanten. Der Esel, der keine Kraft mehr hat, für die Arbeit nicht mehr taugt und außer Dienst gestellt werden soll, haut ab, sucht das Weite. Er macht sich auf den Weg nach Bremen, mit der Idee dort Stadtmusikant zu werden. Unterwegs trifft er den Hund, der für die Jagd nicht mehr zu gebrauchen ist, der vor dem drohenden Tod Reißaus genommen hat und die Katze, die lieber hinter dem warmen Ofen sitzt als Mäuse zu jagen und sich aus dem Staub gemacht hat, bevor es ihr an den Kragen geht. Zu guter Letzt treffen die Drei den Hahn, dem der Suppentopf droht. Die Vier beschließen ihr Leben gemeinsam als Musikanten in Bremen zu leben.

Doch Bremen ist nicht an einem Tag zu erreichen. In einem Wald suchen sie ein Nachtquartier, sehen ein Licht. Da ist ein Haus mitten im Wald, der Esel schaut zum Fenster rein und sieht einen gedeckten Tisch, an dem Räuber sitzen. Ein Ratschlag, der Plan wird in die Tat umgesetzt.

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Festmachen - Oktober 2015

Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse
nicht auch annehmen?

Hiob 2,10 (Lutherbibel)

festmachen 2015 10„Wenn die bunten Fahnen wehen, geht die Fahrt wohl übers Meer, woll`n wir ferne Lande sehen, fällt der Abschied uns nicht schwer“... wie oft hören wir es von Shanty-Chören gesungen oder Blaskapellen gespielt, dieses Lied, das zu den Bekanntesten der Jugendbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte. „ Leuchtet die Sonne, ziehen die Wolken, klingen die Lieder weit übers Meer“, heißt es weiter in der 1. Strophe. Schwung und Optimismus verheißen Text und Melodie, Lebensfreude und Abenteuerlust stecken darin. Ja, so lässt es sich fröhlich dahin schippern, unter idealen Bedingungen, bei bester Stimmung!

Aber was ist, wenn das Wetter eintrübt, der Himmel sich verdüstert, Sturm aufzieht und mit Orkanstärke Schiff und Mannschaft vor sich hertreibt? Wenn die Naturgewalten der vermeintlichen technischen überlegenheit des Menschen breit grinsend gegenübertreten und mit einem Wellenschlag das Ruder übernehmen? Wenn wir plötzlich spüren, dass der Boden unter uns schwankt, das Leben in Gefahr gerät? Scheint der Himmel blau über uns und alles läuft so richtig rund in unserem Leben, sind wir einverstanden mit Gottes Führung und der Glaube an ihn fällt uns leicht.

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Festmachen - September 2015

Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Matthäus 18,3 (Lutherbibel)

festmachen 2015 09Eine erstaunliche „Eintrittskarte“ für das Himmelreich nennt Jesus hier: Werden wie ein Kind. Wenn ich mir die Frage stelle, was mich tauglich macht für das Himmelreich, dann fallen mir zunächst andere Dinge ein: Glaube, Gottvertrauen, Nächstenliebe, Gutes tun. Doch werden wie ein Kind?
Obiger Vers ist Jesu Antwort auf die Frage der Jünger, wer im Himmelreich am größten sei. Die Erzählungen der gleichen Begebenheit im Markus- und Lukasevangelium legen nahe: Das Interesse der Jünger galt nicht dem Himmelreich an sich, sondern ihrer eigenen späteren Position darin.
Die Antwort Jesu verdeutlicht: Die Maßstäbe des Himmelreiches stellen unsere Maßstäbe auf den Kopf. Es geht nicht um Größe oder besondere Leistung, nicht um Effizienz oder Intelligenz. Nein: Werden wie die Kinder - darauf kommt es an.
Wie aber sind Kinder? Zu Jesu Zeiten galten sie als „unfertige Erwachsene“ und spielten in der Gesellschaft eine unbedeutende Rolle. Durch Jesus erfuhren sie eine große Aufwertung: Sie, die in der Gesellschaft sonst nicht viel galten, wurden den Erwachsenen plötzlich als Vorbilder hingestellt. Kinder sind offen und unvoreingenommen. Sie können „sich vergessen“ im besten Sinn. Sie sind begeisterungsfähig, fröhlich, unbefangen, offen, vertrauensselig.

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Festmachen - August 2015

Jesus Christus spricht: Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

Matthäus 10,16 (Lutherbibel)

festmachen 08 2015

Haifischbecken. Wespennest. Räuberhöhle. Das sind Worte, die einem klarmachen, wo man reingeraten kann. Wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Du gehst vor die Kneipentür - und da stehen sie. Dunkle Gestalten. Viel zu groß. Viel zu breit. Du weißt: Jetzt wird’s übel.

Oder der Chef nimmt dich in die Mangel. „Wie konnten Sie nur?“ „Warum haben Sie nicht?“ „Hab ich Dir nicht immer schon gesagt, dass …?“

Es gibt Situationen, da fühlt man sich wie ein Schaf unter Wölfen. Hungrige, reißende Raubtiere. Und du? Traust dich nicht einmal mehr zu blöken. Wie kommt man da bloß wieder raus?

Wie ein Schaf unter Wölfen. Das ist ein Gefühl, das den Menschen sehr vertraut ist. Schon die Bibel erzählt davon. Als Jesus seine Jünger darauf vorbereiten will, wie hart es für sie sein wird, wenn sie in Zukunft nur noch ihrer Überzeugung folgen, da gebraucht er genau diese Worte: „Ich sende euch wie Schafe unter Wölfe“ (nachzulesen im Neuen Testament bei Matthäus 10. Kapitel, ab Vers 16). Was macht man in einer solchen Situation? Die Wange hinhalten? Dem Streit aus dem Weg gehen? Auf die Gefahr hin, sich schlagen zu lassen? Sich demütigen zu lassen? Der Klügere gibt nach. Bis er der Dumme ist.

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