Ps. 107, 23 + 24, 31 + 32, Predigt Diakon Folkert Jansen zum Gottesdienst 800 Jahre Hafen Wismar

  • PDF
  • Drucken
  • E-Mail

Predigt zum Seefahrergottesdienst "800 Jahre Hafen Wismar" in der Nikolaikirche zu Wismar am 03.07.2011 (2. Sonntag nach Trinitatis)

Die Gnade, von dem der da ist, der da war,  und der da kommt, sei mit uns allen. AMEN!
Der Predigtext für den heutigen Seefahrergottesdienst zum 800. Jubiläum des Hafens von Wismar steht  im 107 Psalm, dem Seefahrerpsalm  Vers 23,24  31 u.32

Gebet: Guter Gott, Dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. AMEN!

Seeleuten ist dieser Teil des 107. Psalms gewidmet. Er wird auch „Seefahrerpsalm“ genannt

Überschrieben ist dieser Psalm mit der Formulierung „Herr du hast uns gerettet!“ und beginnt in Vers 1 so: „Preiset den Herrn, denn er ist gut, und
seine Gnade hört nie auf“ und setzt sich in Vers 2 u 3. fort: Dies sollen bekennen, die der Herr gerettet hat und aus fernen Landen wieder zurückgebracht- aus Ost und West, aus Nord und Süd….

Viele sind aus Wismar  aufgebrochen. um, wie es bei   Martha Müller-Gählert vom Fischland in „Wo de Ostseewellen trecken an den Strand“ heißt: „In de Welt to fleigen öwer Land un Meer“.
Andere wiederum kamen hier aus der Fremde her um Güter anzulanden oder zu laden.  Mindestens 800 Jahre ist Wismar über seinen Hafen ein Ort des Handels und des Wandels und erlangte  dabei in seiner Geschichte wichtige Bedeutung für die Menschen der Region aber auch darüber hinaus. Es sei an das wendische Quartier von 1259 erinnert, als es  den hiesigen Hafen mindestens schon 48 Jahre gab.
Es waren und sind  Seeleute aus aller Welt die Waren hier her  und nach Überall transportierten.
Seeleute erleben eine Menge, Seeleute bewegen viel. Es sind nicht nur die millionenfachen Werte der Ladungen, sondern sie sind als Menschen im weltweiten Handel ein Personenkreis, der Kontakte knüpft, der daran beteiligt ist, gegenseitige Vorurteile mit abbauen zu helfen, der in neuen unbekannten Begegnungen immer wieder viel Geschick benötigt.
An Bord der Schiffe herrscht ein buntes Gemisch aus verschiedenen Nationen, Hautfarben, Religionszugehörigkeiten und Sprachen. Auch in dieser Situation bedarf es ein hohes Einfühlungsvermögen, damit Bordgemeinschaft gestiftet werden kann und sie gelingt.
Seeleute sind also nicht die Raubeine, sondern ein Berufsstand der sich immer wieder auf neue Situationen einstellt, die wir, die wir an Land leben,  nicht so wahrnehmen.

Auch aus diesem Grund sind Seeleute wichtig.
Mein Vater, ein Kapitän, pflegt noch heute zu sagen: „Seeleute in der Handelschifffahrt  sind Diplomaten zwischen den Völkern“.
Da ist was dran. Gerade in Situationen, in denen kurz vorher gewalttätige Konflikte beigelegt oder auch Kriege beendet wurden und es zwischen den Gegnern erste Annäherungen wieder gibt, spielen Seeleute eine wichtige Rolle.  Die ersten Kontakte zwischen einstigen Gegnern entstehen oft durch alte Handelsbeziehungen, die durch Krieg oder andere Gründe unterbrochen wurden.
Wenn Seeleute dann die erste Reise in ein solches Land unternehmen, dann haben sie nicht nur Handelswahre an Bord sondern als die größte Ladung die Aufgabe Kontakte neu aufzubauen, Zeichen des friedlichen Miteinanders zu setzen.
Genau in diesem Punkt, liebe Gemeinde, kommt der Gott zum Zuge, den viele von uns glauben: Den Gott des Friedens. Den Gott der das auskömmliche Miteinander unter uns will. Den Gott der Gerechtigkeit unter uns Menschen stiften will.
Wenn Seeleute in eben geschilderten Situation spüren, dass der Mensch aus Russland, Vietnam,  Nicaragua, Nigeria, Südafrika, China,  Nordkorea, Iran, Irak, Japan, Syrien, Israel, USA und Kolumbien, nichts mehr und vor allem nichts weniger als Mitmensch ist und sie es so in diesen Ländern erleben, dann kann Gottes Macht erlebbar werden von der in  Vers 24 zu lesen ist.
Wirksam werden kann Gottes Macht in dem Geist, dass Menschen untereinander nach Frieden streben, Gerechtigkeit als eines der wichtigsten
Güter im Zusammenleben akzeptieren und mit der  Wahrung der Schöpfung als Bedingung für das Überleben auf und in dieser Welt  Ernst machen.

Handel treiben, liebe Gemeinde war schon immer eine globale Angelegenheit.
Bis vor wenigen Jahren wurde es nicht so genannt, sondern schlicht Welthandel.
An diesem Warenaustausch sind Seeleute immer beteiligt. Ja, seit Jahrtausenden sind  Schiffsbesatzungen und Reeder daraus nicht wegzudenken. Ohne sie läuft die ganze Sache nicht.  Dieser Transport von Gütern war auch immer mit vielen Erlebnissen verbunden. Sei es an Bord in der Gemeinschaft oder mit den Menschen in den Anlaufhäfen wie z.B. dem Hafen von Wismar seit 800 Jahren. Hier gilt es sich auf die Mentalität, die Sitten,  Gebräuche und Traditionen der Menschen anderer Länder einzustellen.
Im Zuge der Einführung des Containers vor 50 Jahren reduzierte sich der intensive Kontakt zu Menschen in den ausländischen Häfen beträchtlich. Heute machen sich diese Begegnungen eher an einen schiffsrelevanten Personenkreis wie Lotsen, Makler, Stauer, Schiffsbesichtiger,  Schiffshändler, Serviceunternehmen und auch der Seemannsmission fest.
Dennoch,  das Wissen um die örtlichen Gegebenheiten und darum wie die Menschen dort ticken, ist - aus meiner Sicht-  nicht nur nüchternes Kalkül, um gut über die Runden zu kommen, sondern es drückt auch zugleich den Respekt vor den Menschen der unterschiedlichen Nationalitäten in ihrem Lebenskontext aus.
Ist dies nicht das Minimum von Friedensarbeit, welches wir voneinander erwarten dürfen?  Oft, wenn ich mit Seeleuten über ihre wichtige Funktion rede,

winken sie in aller Bescheidenheit ab, weil es für viele von ihnen eben eine Selbstverständlichkeit ist.  Mag sein, immerhin eine sehr wichtige
Selbstverständlichkeit, die im Zuge der Globalisierung der letzten 20 Jahre immer mehr in den Hintergrund getreten zu sein scheint. 
Das für diese Form des Umgangs miteinander trotz der schnellen Hafenfolgen,  der nahezu Menschenleere auf den Containerterminals wie in HH-Altenwerder und der hektischen Betriebsamkeit an Bord und an Land immer noch Zeit  möglich ist, könnten wir das nicht  auch als eine wunderbare Gnade verstehen, die Gott den Fahrensleuten erleben lässt und für die wir ihm dankbar sein sollten?

Damals und heute erzählen Seeleute von ihren Erlebnissen und Erfahrungen, wobei vieles sich wirklich zuträgt und nicht notwendiger Weise Seemannsgarn sein muss. Sie berichten nicht wie ein Journalist von dem was ihnen auf ihren Reisen widerfahren ist, sondern ihre ganze Person erzählt mit. Dadurch wird alles authentisch.  Dann wird für Zuhörende verständlich, was Seeleute auch heute noch wagen, wenn sie hinaus fahren.
Kaum ein Berufsstand ist der Schöpfung so nahe wie der der Seeleute.
Es bedarf einer Menge Vertrauen, um wieder abreisen zu wollen. Vertrauen darauf auf einem sicheren Schiff anzuheuern, eine gute Bordgemeinschaft anzutreffen, mit gut ausgebildeten Kollegen/innen zusammenzufahren und dass es eine gesunde Heimkehr gibt.
Als Zeichen der Dankbarkeit dafür wird dies in vielen Kirchen an unserer Küste  mit den sogen. Votiv oder Gedenkschiffen ausgedrückt, wobei gleichzeitig durch diese Schiffe die zurückbleibende Gemeinde daran erinnert wird, die Menschen an Bord mit in die Fürbitte einzuschließen. Immer schon sind Seeleute den Kräften der Natur ausgesetzt. Daran ändert auch ein Containerriese wie die „Emma Maersk“ nichts, die mit einer Kapazität von mehr als 10.000 Containern über die Meere fährt. Das Gefahrenpotential bleibt das gleiche….Immer haben wir  auch  in unseren Breiten zur Kenntnis nehmen müssen, dass wir im Letzten dem Kräftespiel der Natur unterlegen sind.
Gedenken wir in diesem Augenblick allen die an Bord durch Havarie, Unfall oder auch Piraterie tödlich verunglückt sind und hören wir dazu Worte aus dem 130 Psalm: „Aus der Tiefe rufe ich,  Herr zu dir: Herr, höre meine Stimme! Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein lautes Flehen! Ich hoffe auf den Herrn, ich warte voll Vertrauen auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen. Denn beim Herrn ist die Huld, bei ihm ist Erlösung in Fülle“

Wenn Seeleute  bei verschiedenen Gelegenheiten  von Unwettern und anderen Unwägbarkeiten während der Reise erzählen aber auch von all dem woran sie sich erfreut haben und sich gern erinnern, kommt mir oft dabei Vers 32 des heutigen Predigtextes in Erinnerung: „Wenn sich das Volk versammelt, sollen sie seine Größe rühmen und ihn vor dem Rat der Ältesten loben“.
Menschen von der See in unseren Gefilden mögen es nicht immer gleich so direkt ausdrücken, sondern umschreiben lieber mehr was sie bewegt.
Dann liegt es an uns, die wir uns als Volk um sie versammeln, ihnen gute Zuhörende sind und eine Sensibilität dafür entwickeln, wann und wie Freude und Dankbarkeit -verstanden als rühmen und loben- geäußert wird. Manchmal geschieht dies durch einen gewissen schwarzen Humor oder durch ein

erleichterndes Seufzen und auch durch ein besonderes Leuchten in den Augen  verbunden mit einer kleinen Geste, die mehr als Worte ausdrückt. Gerade solche Orte wie Wismar, wo Fahrensleute sich vom Volk verstanden fühlen, weil sie dort zu Hause sind, strahlen eben dies nach außen.
Hier entsteht dann eine besondere Kultur, von der alle etwas haben. Es macht die Umgebung in gewisser Weise reich. Der Aspekt der maritimen Kultur in einer Hafenstadt sollte im Übrigen nicht unterschätzt werden, bei aller ökonomischen  Prosperität die von einem Hafen und seinen Betrieben ausgeht.
Ein Hafen ist auch immer durch die Menschen, die in ihm tätig sind, ein kultureller Kristallisationspunkt.

Der Hafen an sich steht auch als Synomym für Schutz und Geborgenheit. Der Platz also wo wir uns sicher fühlen können vor den Stürmen des Lebens. Oder auch der Ort wo wir nach überstandenen Unwettern auftanken können, um gestärkt in unserem Leben weiter bestehen zu können.
Gott selbst möchte für alle Menschen dieser Port sein. Die Mohlenfeuer seiner selbst leuchten auch bei allerschlechtester Sicht weit auf das Meer der Zeit hinaus und signalisieren uns: Kommt, hier ist der Ort des Schutzes, des Friedens und der Geborgenheit. In meinem Hafen gibt es Platz für jeden und jeder von Euch egal wie groß oder klein ihr seit. Oder wie es auch am Ende der maritimen Form des 23. Psalms heißt: Die Lichter deiner Güte und Freundlichkeit werden mich begleiten auf der Reise des Lebens und ich werde Ruhe finden in deinem Hafen immerdar!

AMEN!

 

Für den Gottesdienst

Machine-Translation into:

Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.

Lukas 13,30 (Lutherbibel)

festmachen 2017 09 thumb200

Die Kernaussage der Losung ist im Original und als Redensart in abgewandelter Form so in die Alltagssprache eingeflossen, dass der theologische Bezug häufig nicht mehr bekannt sein dürfte.

weiterlesen

   

DSM bei Facebook

 con info  Unsere Arbeit unterstützen:

Evangelische Kirche in Deutschland logo vdr

logo seafarers trust

 

Vesseltracker  logo bmfsfj     logo bmas     logo bg verkehr  
 Evangelische Kirche
 in Deutschland
 Verband
 Deutscher Reeder
 ITF-Seafarers Trust
 Vesseltracker.com
 Bundesministerium für
 Familie, Senioren,
 Frauen und Jugend
 Bundesministerium für
 Arbeit und Soziales
 Dienststelle
 Schiffssicherheit
 BG Verkehr
Hier könnten Sie als  Sponsor genannt werden