Jesaja 40,26-31, Laienprediger Christian Roensch

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Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut

Laienprediger Christian Roensch (Hamburg) arbeitet im Hauptberuf als Chief-Ingenieur bei einer Hamburger Reederei
Nach einer Predigt der Predigthelferin Eta Reitz, evangelisch
Essen (Kreis Essen/Ruhr), 07.04.2002 und Gedanken von Pfr. Oliver Albrecht aus 65527 Niederhausen

Jesaja 40,26-31

"Wenn Sie so weitermachen, werden Sie dem lieben Gott nichts als die entkräfteten Reste eines Herzens darbringen, das sich für Interessen verbraucht hat, die nicht die seinen sind!"

Diese Worte sprach ein Priester, Anfang des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf Frankreichs zu seiner Gemeinde. Als ich sie las wurde mir bewusst, dass sie noch heute ihre Gültigkeit haben und es sich lohnt, darüber nachzudenken. Dabei fallen mir die unterschiedlichsten Menschen ein:
Da ist die überarbeitete Mutter, die Beruf, Haushalt und Kindererziehung unter einen Hut bringen muss. Dort der abgehetzte Vater, dessen Blick nur auf das Vorwärtskommen und die damit verbundene Gehaltserhörung gerichtet ist. Schülerinnen und Schüler, die ihre Freizeit mit so vielen Dingen voll gepackt bekommen, dass sie kaum mehr zu sich selber finden. Zu Zeiten von Big Brother und „Hol mich hier raus“ sorgte das Leben der "Container-Bewohner" oder wer wohl der nächste Superstar wird teilweise für mehr Gesprächsstoff, als ihre eigenen Bedürfnisse, Träume und Sehnsüchte. Ich denke auch an viele Ehe- und sonstigen -paare, die soviel zu tun haben, dass ihr Gespräch untereinander auf der Strecke bleibt.

Allen ist eines gemeinsam. Sie werden jeden Tag müder und erschöpfter! Sie sehnen die Ferien herbei, um endlich einmal auszuruhen. Sind die Ferien dann endlich da, wird wieder so vieles unternommen, dass ihre Erholung viel zu kurz kommt. So treffen die Worte heute früh völlig berechtigt unser Ohr: "Wenn Sie so weitermachen, werden Sie dem lieben Gott nichts als die entkräfteten Reste eines Herzens darbringen, das sich für Interessen verbraucht hat, die nicht die seinen sind!"

Diese Situation ist aber nicht erst im 19. Jahrhundert entstanden. Diese Haltung ist auch den Menschen des Alten Testaments schon zu eigen gewesen. Unser Textabschnitt aus dem Buch des Propheten Jesaja verdeutlicht dies. Ich lese vom Kapitel 40, die Verse 26 – 31:
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. 27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«?
28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
(kurze Musikeinlage)
Wie gut ist es doch, dass wir nicht die Ersten sind, denen das Phänomen Erschöpfung begegnet. Wie gut, dass Gott uns und unsere Bedürfnisse kennt. Dass er uns durch den Propheten Jesaja antwortet und unseren Blick auf eine ganz wichtige Botschaft lenkt. Er, der das Weltall erschaffen, der uns selbst ins Leben gerufen hat, kennt unsere Gedanken.
Agnostiker – also Zweifler – werden jetzt vielleicht sagen:
Moment, Gott, der Schöpfer der Welt, das hatten wir doch abgehakt, das glaubt doch kein Mensch mehr. Der Hokuspokus mit den sieben Tagen, Adam und Eva und dem Paradies, das ist doch wissenschaftlich überhaupt nicht haltbar.
„Stimmt“, würde Jesaja sagen, „das haben wir Bibelschreiber aber auch gar nicht gemeint, dazu waren wir damals schon wissenschaftlich genug gebildet. Wir wollten etwas ganz anderes sagen: Wie auch immer die Welt entstanden ist und täglich neu entsteht, wie auch immer - denn die gegenwärtige Hypothese wird nicht die letzte sein - , in all diesen Strukturen und Vorgängen steckt Gott mit drin.“
„Ja, aber ich kann doch all diese Strukturen und Vorgänge auch ohne Gott erklären, er ist doch schließlich gar nicht nachweisbar.“
„Doch“, sagt Jesaja, „Gott ist in all diesen Dingen nachweisbar. Er ist, wenn du es wissenschaftlich ausdrücken willst, die Komponente, die Kraft in allen Dingen, die will, dass es gut ausgeht mit dieser Erde und diesen Menschen. Und das kannst du sehen, wenn du es willst. Du kannst sogar ein Teil dieser Kraft werden, Anteil an dieser Kraft bekommen.“

Er weiß dass wir uns, wie der Stamm Jakob, wie sein Volk Israel an unzähligen Tagen fragen, wo denn Gott mit seiner Hilfe ist. Warum er unsere Situation nicht verändert, warum er uns nicht Recht schafft.
Damals war das Volk in der Verbannung und wartete sehnlichst darauf, dass endlich ihre Heimkehr ins gelobte Land möglich würde. In Babylon hatte Israel seine einstige Mitte verloren. Der Tempel war weit und die früheren Werte der Religiosität waren in der Fremde nur schwer aufrechtzuerhalten. Dies mündete in eine Anklage gegen Gott. – Offensichtlich hatte dieser sein Volk verlassen. Die religiösen Führer mussten gegen Gleichgültigkeit ankämpfen. Kraftlosigkeit und Mattheit machten sich breit. Der Glaube schien unerheblich zu werden, keine wesentliche Rolle mehr zu spielen.

Hierin sehe ich Parallelen zu uns heute, auch wenn die Ursachen andere sind. Die Faszination von technisch-wissenschaftlichen Möglichkeiten ja, Fortschritt und Globalisierung traten seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts oft an die Stelle des Glaubens.

Doch Euphorie und Optimismus, über das was machbar scheint, verlieren an Boden. Auch Zuwachsraten und Börsendaten büßen ihren Glanz ein. Das haben wir erst vor wenigen Tagen erleben dürfen.
Ein Gefühl der Unsicherheit und Bedrohung von außen nimmt deutlich zu. Das geht beinahe schon soweit, dass wir auf unsere Meinungsfreiheit verzichten, um uns dadurch eventuell vor Terroranschlägen zu schützen. Und vielleicht müssen wir demnächst den Innenminister fragten, ob es in Ordnung ist, wenn wir hier sonntags die Tür der Kirche öffnen, oder ob das eventuell provokant sein könnte.
Doch wer glaubt, jetzt würde sich die Waagschale wieder zugunsten des Glaubens neigen sieht sich getäuscht. Auch heute muss die Kirche gegen Gleichgültigkeit ankämpfen. Kraftlosigkeit und Mattheit machen sich bei uns breit und spielen eine ähnliche Rolle, wie damals bei den Exilanten in Babylon und der Glaube scheint für unser Leben unerheblich zu sein.
So spricht der Prophet Jesaja nicht nur zum Volk Israel, welches sich im Exil befindet, sondern auch zu uns heute Morgen. Er zeigt uns einen Glauben, der in vergleichbarer Ausgangslage zuversichtlich und hoffnungsfroh daherkommt, als sei es selbstverständlich. Gegen allen Augenschein, ohne konkrete Aussicht auf eine schnelle Wende verheißt er den Müden Kraft. Ja, er sagt den auf Gott Harrenden Adlerflügel zu, die sie aus ihrer Misere aufwärts tragen werden. Dabei erinnert er an und beruft sich auf Gott, den Israel als Schöpfer der Welt bekennt, und der sich in der Vergangenheit als mächtig erwiesen hat. Er verweist darauf, dass Gott sein Volk nicht aufgibt, sondern sich ihm erneut zuwendet. Die gemeinsame Geschichte Gottes mit Israel ist nicht zu Ende, sondern ein neuer Exodus ( also ein neues Heimführen aus der Verbannung, wie damals aus Ägypten)wird folgen.

Und ebenso hören wir heute Morgen vom Propheten:
Die gemeinsame Geschichte Gottes mit uns ist auch im 21. Jahrhundert nicht zu Ende. Nein, es geht auch für uns weiter, so wie es für das alte Gottesvolk weitergegangen ist. Und damit geht es auch weiter für den Glauben. Was wir suchen, ist viel näher, als wir denken. Wo soll denn Gott für uns da sein, wenn nicht in unserem Alltag?
Denn, was wäre das für ein Gott, der zu Dir sagt:
„Du kannst mich am Sonntag in der Kirche treffen, aber mit Deiner Ehe, Deinem Beruf, Deinem Geld, und Deinen Kindern und all Deinen Problemen, will ich nichts zu tun haben“?
Es geht darum, mitten in den Sorgen und den Ängsten sich das Vertrauen zu bewahren, dass Gottes Geist die Ängste vertreiben und uns ermutigen wird.
Aus dem Physikunterricht kennen wir das Experiment mit den Eisenspänen. Sie liegen kreuz und quer, vollkommen durcheinander, auf einer dünnen Pappe. Wenn wir aber einen Magneten darunter halten, bekommen sie, wie durch eine unsichtbare Hand geordnet, eine Struktur.
So handelt Gott in unserer Welt, in unserem Leben: Seine Kraft lässt aus dem Chaos Schönheit und Ordnung entstehen.

Dies gilt nicht nur für die Natur, sondern auch und gerade für uns und unseren Alltag, wenn wir es zulassen.
Sich selbst loslassen zu können und darauf zu vertrauen, dass Gott es schaffen wird. Vielleicht mit anderen Gedanken und Plänen, als wir uns vorstellen können, aber in diesem Vertrauen liegt, so heißt es in dem Jesajatext, neue Kraft, ja sogar Jugend und auf jeden Fall Lebendigkeit: Der heutige Sonntag erinnert uns mit seinem Namen an die neugeborenen Kinder.
Quasimodogeniti (Wie die neugeborenen Kindlein. 1. Petrus 2,2)
Damit sind wir selbst gemeint, so wie Jesus es Nikodemus gegenüber formulierte: "Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen."
Schon Nikodemus reagierte irritiert und hielt es für schlechthin unmöglich, als Erwachsener von neuem geboren zu werden. Jesus erklärte es ihm mit der uns bekannten Formulierung: "Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen." Er verwies dabei auf den Geist Gottes, der diese Neugeburt in uns erst ermöglicht. Von Ostern her kommend heißt dies nichts anderes als dass, das ausschlaggebende Thema unseres Lebens ist, die Überwindung des Todes durch Jesus Christus ist. Seine Auferstehung ermöglicht uns neues Leben in einer nach wie vor bedrohten und verunsicherten Welt. Denn wir dürfen Vertrauen zu Gott haben.
Gleichzeitig bleibt unser Glaube ein Glaube, der sich an die Geschichte Gottes mit seinem Volk erinnert. Ein Glaube, der sich biblischer Überlieferungen vergewissert und der sich nach Gott ausstreckt, der auf ihn und seine Hilfe harrt,
auch wenn sie scheinbar ausbleibt.
Konkret für unseren Alltag bedeutet dies, dass sich für die überarbeitete Mutter, den abgehetzten Vater, die Schülerinnen und Schüler, den verzweifelt einsamen Menschen, ja jeden Menschen, der Gott in seinen Alltag mit einbezieht,
für den wird sich eine neue Lebenswirklichkeiten ergeben.

Wir werden für die Bewältigung unseres Alltags einen anderen Blick gewinnen. Dieser andere Blick ermöglicht uns, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. So können wir auch einmal Fünfe gerade sein lassen und uns manches Mal mit weniger begnügen,
damit eben unsere Seele neue Kräfte gewinnen kann.
Dieser – so gelebte Glaube – der kann uns neue Kraft und Adlerflügel verleihen.
Wenn wir hier heute Morgen beisammensitzen,
dann ist das schon mal ein Anfang. Nicht, dass wir nun sagen dürften: „Wir sind die Guten“.
Solche Selbstgefälligkeit sei fern von uns.
Aber wir wollen die Guten werden.
Also strengen wir uns doch an, damit wir es werden!
"Dann – ja dann werden wir dem lieben Gott ein Herz darbringen, das sich für seine Interessen verbraucht hat und dabei jung geblieben ist! Ein Herz, das ein Lied zur Ehre Gottes anstimmt wie ein Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist."
Amen.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle menschliche Vernunft,
bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.


 

Für den Gottesdienst

Machine-Translation into:

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden..

Lukas 24,5-6 (Lutherbibel)

festmachen 2017 04 thumb200 Was sucht ihr....

Ich habe lange nach einem passenden Text zu dieser Bibelstelle gesucht. Ich habe in der Bibel gelesen, das Netz durchforstet, Bücher angeschaut, mit Menschen an Bord und im Privaten geredet und in meinen Erinnerungen gekramt.

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