Markus 6, 45-52, Predigt Diakon Folkert Janssen am 18. Warnemüder Sonntag der Seefahrt

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Predigt zum Seefahrergottesdienst

18. Warnemünder Sonntag der Seefahrt - 12. August 2007
(Mk. 6. 45-52)

Seemannsdiakon Folkert Janssen


Die Gnade von dem der da war, der ist und der kommt, sei mit uns allen. Amen!

Es ist heute für mich ein besonderer Tag in dieser Kirche, verehrte Gemeinde des 18. Warnemünder Sonntages der Seefahrt.
Viele von Ihnen wissen, dass meine Beziehung zu dieser Kirche eine sehr enge ist. Viel Gutes, Trauriges und Schönes habe ich in diesem Gotteshaus erleben und feiern dürfen. Meine Familie hat sich in der ersten Zeit nach der Wende mit daran beteiligt, den besonderen maritimen Charakter dieser Kirche zu erhalten.
Sie ist das geistliche Zuhause der Deutschen Seemannsmission Rostock e.V. und zugleich der Ort , der mir viel bedeutet, vertraut ist und der mich immer wieder gestärkt entlässt.

All dies bewegt mich, wenn ich heute die Ehre habe, hier erstmalig in einem Seefahrergottesdienst zu predigen:

Vertrauenssache, liebe Gemeinde, ist das Motto unter welches wir diesen Gottesdienst gestellt haben. Lassen sie sich einwenig mit hineinnehmen in eine Art Dialog über Vertrauenssachen der Seeleute heute und denen der Jünger damals.

Ist es nicht wirklich Vertrauenssache wenn Besatzungsmitglieder uns als Mitarbeitende im Seemannsclub „Hollfast“ während der vergangenen zwei Jahre mehr 65600 überreicht haben, verbunden mit der Bitte die jeweiligen Beträge nach Hause auf das Konto zu überweisen?
Ohne einen Beleg dafür zu fordern, sondern lediglich mit der Kopie des Überweisungsauftrages in der Hand, sich auf uns vertrauensvoll zu verlassen, ist der größte Schatz den wir als Mitarbeitende in unserem Dienst an den Menschen von Bord besitzen.
Keineswegs ist dieses Vertrauen für uns eine Selbstverständlichkeit. Seeleute sind immer wieder Situationen ausgesetzt, die eher ihre Zurückhaltung oder auch ihr Misstrauen bewirken.
In gewisser Weise könnte die Zurückhaltung und das Misstrauen als eine milde Form von Angst verstanden werden.
Angst vor dem, was ihnen nicht geläufig ist, was unbekannt erscheint. Mit Vorsicht und Fragen wird sich an das Unbekannte, Fremde herangetastet. Im schlimmsten Falle stehen die Menschen von Bord dem nicht nur skeptisch gegenüber, sondern riechen, dass der Braten faul ist.

Kennen wir, liebe Gemeinde, diese Ängste nicht ebenso, weil sie ja auch ein Teil unseres Lebens sind?
Und passieren manchmal nicht Situationen, die für uns so unfassbar sind, dass sie uns wirklich in Angst versetzen und uns in gewisser Weise entsetzen?
So scheint es offenbar auch den Jüngern gegangen zu sein, als sie wieder einmal mit dem Boot über den See Genezareth unterwegs waren.
Hören wir dazu den Predigttext welchen ich für den heutigen Seefahrergottesdienst, dem 10. Sonntag nach Trinitatis ausgewählt habe:

Der Wind des Lebens, liebe Gemeinde, weht uns manchmal schon recht heftig ins Gesicht. Wir, als Menschen von der Küste kennen das. Gerade in den Herbst- und Wintermonaten, wenn uns die Stürme bevorstehen. Aber auch in Sommertagen, wenn Gewitterstürme über uns hinwegfegen. Da müssen wir uns schon manchmal mächtig dagegen stemmen, um nicht umgeweht zu werden. Es kostet Kraft gegen den Wind zu laufen, vor allem wenn einem nichts anderes übrig bleibt. Kommen da nicht hin und wieder Zweifel und Angst auf, ob man die Kraft besitzt, gegen an zu halten?

Bis vor einigen Jahren blies deutschen Seeleuten ein Wind entgegen, von dem sie glaubten er würde nicht mehr aufhören.
Es war der stetige Verlust von Arbeitsplätzen. Die Möglichkeiten den Beruf des/der Schiffsmechanikers/in zu lernen war äußerst gering. Nur sehr wenige deutsche Schifffahrtsbetriebe boten Ausbildungsplätze an.
An den Seefahrtschulen unserer Küsten gingen die Zahlen der Studierenden dramatisch zurück, so dass ein Teil dieser Schulen von der Schließung bedroht waren. Im Hamburg, einer der größten Häfen der Welt und Reedereiplatz Nr 1 in Deutschland geschah es: Die Hochschule für Nautik wurde auch wegen der zu geringen Nachfrage von Studienbewerbern geschlossen.
Es gab kein großes Vertrauen mehr in Berufen der Seeschifffahrt und unter deutscher Flagge eine zukunftsträchtige Existenz zu sehen.
Die berechtigte Angst um Arbeitsplätze war bald nicht mehr nur Befürchtung, sondern Realität.
Für viele drängte sich die Frage mehr und mehr auf, wie es denn mit der deutschen Seeschifffahrt weiter gehen sollte. Immer wieder verdichtete sich der Eindruck es würde nicht mehr weiter gehen. Das Ende des Berufsstandes der Seeleute auf deutschen Schiffen sei nicht mehr auszuschließen. Eine Aussicht, die einen schon die Angst in die Glieder jagen konnte und einen das Entsetzen darüber nicht fremd werden wollte. Da kann es schon passieren, dass die Vertrauenssache im Kielwasser entschwindet….

Im übertragenen Sinne mag es wohl auch dieser Besatzung im Boot auf dem See Genezareth gegangen sein, welche versuchte gegen einen starken Wind an das andere Ufer zu gelangen.
Immer noch gingen ihnen die Brotvermehrung unter die Haut und sie wussten nicht was sie davon halten sollten und von dem, der das alles -aus ihrer Sicht- mal eben bewerkstelligte.
Sie dachten, sie seien im falschen Film, als derjenige, nämlich Jesus, aus dem Nichts und auch noch auf dem Wasser gehend neben ihrem Boot erschien.
Der ihnen einen jähen Schrecken einjagte und sie das ganze doch für recht gespenstisch hielten und es ihnen das Herz vor lauter Angst sonst wo hinsacken ließ….
Und der, der da auf dem Wasser wandelte? Jesus? „Habt Vertrauen“ sprach er zu ihnen, „ich bin es“ gab er sich zu erkennen „fürchtet euch nicht“ versuchte er sie zu beruhigen.
Er stieg in das Boot, der Wind legte sich. Alles in Ordnung. Eigentlich hätte die Reise mit weniger Kraftaufwand beim Pullen fortgesetzt werden können.
Nichts davon, die Jünger packte offenbar das blanke Entsetzen angesichts der Leichtigkeit des Seins dieses Mannes, den sie ja schon eine ganze Weile begleiteten. Der setzte sich einfach ins Boot, der Wind legte sich und vertraute darauf, dass seine Freunde ihn sicher an das andere Ufer brächten.
Unheimlich dieser Mensch…. zum Fürchten….

Angst und Entsetzen sind weit weg von Glauben und Vertrauen. Diese Geschichte versucht es uns zu vermitteln….
Den Glauben in eine Sache nicht zu verlieren, damit sie eben Vertrauenssache bleiben kann, damit auch Vertrauen in Mitmenschen zu setzen, ohne Angst zu haben und der Entsetzlichkeit darüber in allem enttäuscht zu werden, fällt nicht immer leicht. Den Jüngern damals nicht und uns heute ebenso wenig.
Eben dieser sensible Punkt, nämlich, das Vertrauen von Menschen zu besitzen, könnte dies zugleich bedeuten, dass diejenigen denen vertraut wird, eine hohe Verantwortung dafür tragen, das eine Vertrauenssache eine solche Sache bleibt? In ökonomischen Zusammenhängen passiert es schon hin und wieder dass eben dies übersehen oder gar vergessen wird
In der deutschen Seeschifffahrt brummt es wieder, wie seit langem nicht mehr.

Reeder und Managements von Schiffsbetreibergesellschaften haben wieder begonnen, deutsche Seeleute zu beschäftigen. Selten wie zuvor steigt die Nachfrage nach gut ausgebildeten Personal sowohl in der Schiffsleitung wie im Schiffsbetrieb. Auch im sogenannten Sekundärbereich wie Lotsen,
Hafenbehörden, Schleppschifffahrt usw. ist der Ruf nach Nachwuchs nicht geringer. Die Ausbildungsstätten erleben einen Run von Bewerbenden, den sie kaum handeln können. Zur See fahren ist wieder en vogue, ein Beruf mit Zukunft….
Wirklich? Ja, liebe Gemeinde es hat wieder eine Zukunft zur See zu fahren und in der maritimen Wirtschaft tätig werden, wenn auch dies Berücksichtigung findet: Die Sache mit dem Vertrauen….
Allen auf den Entscheidungsebenen von Reedereien und Schiffsbetreibergesellschaften, so hoffe ich, ist bewusst, dass sie eine hohe Verantwortung dafür tragen, damit es bei der Vertrauenssache bleibt. Damit Menschen, denen sie Beschäftigung geben, darauf vertrauen können, darauf ihre eigene wirtschaftliche Existenz zu gründen und zu erhalten.
Das würde z.B. bedeuten, dass sehr maßvoll Schiffe bestellt werden, um den Markterfordernissen Rechnung zu tragen. D.h. hier träte share-holders-value in den Hintergrund zum Wohle derer, die ihren Lebensunterhalt frei von Existenzängsten erwerben wollen und deshalb an diese Vertrauenssache glauben, die in keinem Arbeitsvertrag aufgeführt ist, aber sehr virolent vorhanden ….

Glauben und Vertrauen, verehrte Gemeinde, bilden einen Sinnzusammenhang. Es scheint mir schon viel Wahrheit darin zu liegen, wenn gesagt wird, dass wenn Menschen glauben können, Vertrauen wächst.
Wohl wird es wohl nicht immer so leicht fallen, dies Angstfrei und ohne Enttäuschungen anzustreben und zu erreichen.
Den Jüngern damals bereitete es Schwierigkeiten und auch wir haben es nicht immer so leicht damit.
Ist es möglich, dass aus der Erfahrung der Jünger auf dem See Genezareth bis in die heutigen Tage aus dieser Geschichte dies geblieben ist: Das augenscheinlich Unfassbare entsetzlich unmöglich erscheinende, als etwas positives zu zulassen, um damit den Versuch zu unternehmen es im Glauben zu verstehen?
Wenn wir glauben wollen, dass durch das, was Jesus gelebt und bewirkt hat, Vertrauenssachen nicht aufgegeben werden bräuchten, könnten uns nicht durch diesen Glauben die Augen für das unfassbar Wunderbare geöffnet werden? Wir hätten die Möglichkeit in eine Situation versetzt zu werden, mit weniger Angst in dieser Welt zu leben und Mitmenschen mit mehr Offenheit zu begegnen. Oder sollten wir es auf diese Weise hin- und wieder verklart bekommen, in dem Jesus es uns vielleicht so erklärt: „Wenn ihr mir nicht traut, wenn ihr mich nicht glaubt, wenn ihr Angst vor mir habt, welchen Wert hat dann das mit der Vertrauenssache?“ Mit anderen Worten: „Ich bin die Vertrauenssache“

Angst in Krisen ist ein wenig probates Mittel damit umzugehen.
Der Glaube allerdings schenkt uns die Kraftquelle zum bewältigenden Umgang und kann somit der Sache des Vertrauens dienen.

Es immer wieder zu wagen, dazu mögen wir stets den Mut finden, gerade deswegen, weil da einer mit in unserem Lebens- und Arbeitsboot sitzt, der uns spüren lässt: „ Habt Vertrauen. Ich bin's. Fürchtet euch nicht.“
Mögen wir spätestens dann spüren, dass unser Schiff wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt.
Dieses gute Gespür wünsche ich uns um der Vertrauenssache willen immer wieder neu!
AMEN

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus. AMEN!


 

Für den Gottesdienst

Machine-Translation into:

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden..

Lukas 24,5-6 (Lutherbibel)

festmachen 2017 04 thumb200 Was sucht ihr....

Ich habe lange nach einem passenden Text zu dieser Bibelstelle gesucht. Ich habe in der Bibel gelesen, das Netz durchforstet, Bücher angeschaut, mit Menschen an Bord und im Privaten geredet und in meinen Erinnerungen gekramt.

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