Predigt Diakon Jan Oltmanns zum Sonntag der Seefahrt in Cuxhaven

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Predigt am 03. März 2008 in Cuxhaven

Seemannsdiakon Jan Oltmanns


Liebe Gemeinde!

Ich habe Dich einen kleinen Augenblick verlassen - wie relativ ist doch die Zeit, wie unterschiedlich bei Gott und uns Menschen - Ein Augenblick Gottes kann ganz schön lang sein.
Gestern und auch heute Nacht haben sich sicher viele Seeleute von Gott verlassen gefühlt. Noch wissen wir nicht im einzelnen wie viele Menschen durch diesen Sturm zu Schaden gekommen sind. Aber ich glaube ganz sicher hat dieser Sturm wieder etliche Seeleute - beten gelehrt. Habe Erbarmen Gott!

Aber es sind nicht allein die Unwetter - man kann sich auch gottverlassen einsam fühlen im ganz normalen Bordalltag - bei bis zu 12 Monatsverträgen

Ich arbeite in Hamburg im DUCKDALBEN seit 21 Jahren täglich mit Seeleuten, hatte also Gelegenheit sie aus der Nähe zu betrachten.
Täglich kommen etwa 100 Seeleute aus bis zu 20 verschiedenen Nationen, im Jahr 2007 waren es knapp 40.000 Gäste aus 100 Ländern der Erde.
Zu uns kommen Seeleute aller Ränge an Bord, vom Reiseleiter mit seinen vielen goldenen Streifen auf der Uniform, bis zum Messmann.
Auf die Frage, warum sie zur Seemannsmission gehen, sagte beispielsweise ein brasilianischer Seemann einer Reporterin: "Auf dem Schiff sind wir zu reinen Maschinenbedienern geworden. Da haben wir das Gefühl zu schrumpfen. Bei der Seemannsmission werden wir als Menschen wahrgenommen, da können wir wieder wachsen."
Die Seeleute sind ganz unterschiedlich im Alter, sie kommen aus allen Teilen der Erde, haben verschiedene Hautfarben, sprechen unterschiedliche Sprachen und natürlich haben die Seeleute auch unterschiedliche Religionen, - wir sind dafür offen. Wir beziehen unsere Kräfte aus dem Evangelium und wir verlassen uns auf die Zusage, das wir geliebte Kinder Gottes sind!

Wir glauben an den Gott der in unserem heutigen Predigttext seinen Friedensbund zusagt und der Erlöser und Erbarmer genannt wird. In unserer Arbeit versuchen wir den Menschen, die auf den Schiffen täglich für uns alle unterwegs sind, deutlich werden zu lassen, diese Zusage gilt auch für Dich: Fürchte dich nicht.
Frachtschiffe ist keine luxuriöse Reise auf einem Traumschiff!
Hier arbeiten wirklich zumeist Männer in einer auf das allernötigste zusammengedampfte Mannschaft. Die riesigen Schiffe haben oft nur eine Besatzung die an Händen und Füßen abgezählt werden kann.
Oft werde ich gefragt: Was tun die Seeleute eigentlich da an Bord?
Deck: Eisen und Salzwasser …malen aber zunehmend auch laschen entlaschen Feederprobleme

Maschine: Lärm Hitze dreckiger Brennstoff heißt es warten reparieren

Nautiker: Wetter, Strömungen, unzählige Computer und Geräte, Alarme und Daten die ausgewertet werden müssen- Stress enger Fahrplan …(Beispiel gestresster Offizier, der schon in Hamburg Angst davor hat in China in die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr noch mehr Verspätung zu bekommen.)
Aber über sie alle will sich Gott mit ewiger Gnade erbarmen.
Wie soll das gehen? Wie können wir sie das spüren lassen?
Unsere drei Kleinbusse sind täglich über 500 km im Hafen Hamburg unterwegs um Seeleute kostenlos vom Schiff zum Club oder zurück zu befördern.
Im Club gibt es für einige wenige Stunden Gelegenheit den Bordalltag zu vergessen und einmal wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.
Ganz wichtig sind die 18 Telefoniermöglichkeiten und dazu eins. Wir haben den Fotografen Christian Kaiser gebeten Bilder von telefonierenden Seeleuten zu machen. Beim Ansehen der so entstandenen Fotos fiel uns etwas auf. Keiner der Seeleute sprach! Alle hörten zu, lauschten dem was sich am anderen Ende der Leitung ereignet hatte. Sie selbst haben nichts zu erzählen, der Alltag an Bord ist zu eintönig und von den gefährlichen Situationen die man erlebt hat zu sprechen, würde den Liebsten nur Angst machen.
Und trotzdem diese Stunde am Telefon ist Seelsorge im allerbesten Sinn. Das Glück hängt am Lebendigen.
Und wenn sich etwas tragisches ereignet hat zu Hause, da sind wir dann da und können mit leiden oder konkrete Hilfe anbieten.
Was wir noch bieten: Internet, Entspannung bei Sport und Spiel, Entspannung am Tresen -auch bei einem Bier oder Wein, beim Fernsehen aus der Heimat oder bei Karaoke (Nicht eingegangen bin ich auf die Problematiken Geldwechsel u. -überweisungen in die Heimat)

Stille gibt es an Bord von Schiffen nie! Darum ist sie an sich schon für Seeleute kostbar. Aber es ist noch etwas, was uns diesen Raum einrichten ließ:
Dieser Andachtsraum der Seemannsmission ist entstanden aus dem Bedürfnis sehr unterschiedlicher Menschen, etwas einzurichten, wo Seeleute aus aller Welt ihrem Gott nahe kommen können. Eingerichtet aus Liebe zu den Menschen und aus einem tief empfundenen Gefühl von Achtung vor dem Anderssein von Mitmenschen. Eingerichtet auch um einem Missverständnis vorzubeugen, welches all zu oft in der Vergangenheit und auch bis heute noch, zu Leid und Elend auf dieser Welt führt, dem Missverständnis, alles wäre gut, wenn nur alle Menschen gleich wären.
Menschen sind unterschiedlich, jede und jeder ist einzigartig - ein Unikat. Bei uns soll jeder so sein können wie er ist, denn Mission bedeutet für uns nicht, aus allen Seeleuten (auf Teufel komm raus) Christen machen zu wollen.
Ich weis nicht ob Sie es mitbekommen haben, aber die Deutsche Seemannsmission hat sich vor einigen Jahren umbenannt. Sie heißt jetzt nicht mehr Deutsche Seemannsmission, sondern: Deutsche Seemannsmission support of seafarers dignity. Ja wir wollten deutlich machen, wir sind Unterstützer und Hafen für die Würde der Seeleute.
weggelassen: (In unserer Vielfältigkeit liegen Kräfte und Chancen, wenn wir doch endlich aufhören würden, sie im Geiste von Gleichmacherei überwinden zu wollen. Dieser Raum hier bietet Platz für ein Nebeneinander, in der Hoffnung auf ein Miteinander und in Ablehnung des Gegeneinander.
Seeleute sitzen tatsächlich „im selben Boot“ und von ihnen haben besonders wir Mitarbeiter der Seemannsmission gelernt, wer ankommen will, wer gemeinsam Stürme überstehen muss, betont besser das Verbindende und versucht Trennendes zu überwinden, dann erreicht man gemeinsam den fernsten Hafen.)
Darum dieser Raum mit Platz für Taoisten, Sighs, Hindus, Naturreligionen, Buddhisten, Juden, Muslime und uns Christen.

Wer weggeht verlässt ALLES…
- Frau und Kinder
- Angehörige und Freunde
- Aber auch seine ganze gewohnte Umgebung, - Rechtsraum, - Sprachraum, - Klima -und seine Zeit
- Und er verläßt den festen Boden unter seinen Füßen.
Das einzige was ihm in dieser Situation noch Halt und Kraft geben kann ist sein Glaube, darum wollen wir ihm niemals seinen Glauben nehmen. Unser Gott, das haben wir von Jesus gelernt, ist Liebe, daran glauben wir und diese Liebe wollen wir an die Seeleute weitergeben. Sie schafft die Möglichkeit zur persönlichen Ver-Änderung. Aber es ist nicht unsere Intension den Glauben der Seeleute zu verändern, weil wir dann den letzten Halt nehmen könnten.

Und irgendwie wird der Predigttext den Seeleuten dann doch wieder nicht gerecht! Wie auch? Der hier bei Jesaja zu Wort kommt, ist der Gott eines Wüstenvolkes, der hat von den Stürmen auf See nicht so besonders viel Ahnung. Er verspricht keine neue Sintflut, aber was ist mit Sturmfluten …?
Aber Gott hat den - wie es später im Anschluss an unseren Text heißt: Elenden, Sturmbewegten Ungetrösteten eine Zusage gemach: Durch Gerechtigkeit wirst Du fest gegründet sein
Großes Wort: Gerechtigkeit.
Seeleute sind die Speerspitze der Globalisierung - Ist die etwa gerecht?
Kucken wir einen Moment auf die größte Gruppe der Seeleute - die Filipinos:
Lebensgrundlagen im eigenen Land z.B. in der Agrarproduktion durch Multinationale Konzerne zerstört. …
Große Familien - Sippe bedeutet, ein Seemann versorgt mit seinem Verdienst eine viel größere Zahl von Menschen, als wir Europäer.
Und dann sind da in Europa beheimatete "maning agencies" oder wie ich bei manchen sagen würde Menschenhandelsagenturen die sie ausnehmen - und leider auch manche Reeder die sie ausbeuten.
Was wir tun können ist teilen und darauf achten, dass gerechter Welthandel, "Fair Trade" gestärkt wird, damit die Erzeuger besser dastehen und auch die Transportarbeiter. Schließlich bewegt sich die Bezahlung der Seeleute auf sehr niedrigen Niveau. Die Bemannungskosten und die Kosten der Schmierstoffe für Schiffe sind etwa gleich. …
Ein schönes Beispiel, dass es auch Reedereien gibt, für die die Mitarbeiter wertvolle Menschen sind höre ich hier in Cuxhaven, ein schwer kranker Seemann aus Indonesien wird von seinem holländischen Personalchef im Krankenhaus in Cuxhaven nicht nur besucht und überhaupt sehr hervorragend versorgt. Aber es gibt auch andere Beispiele, mein Kollege aus dem Seemannsheim Bremerhaven berichtete mir, einem litauischen Seemann der sich beide Arme gebrochen hatte, wollte die Agentur mit dem Zug nach hause schicken, mindestens sieben mal umsteigen mit Koffer und Seesack ohne Arme?!
Es ist nicht das Fernweh sondern die Not im eignen Land, die Menschen ihre Heimat verlassen lässt. Die Aussicht auf einen guten Verdienst -eine gute Heuer- ist ein wesentlicher Grund in die Ferne zu gehen. Wer auf modernen Containerriesen zur See fährt sieht nichts mehr von fernen Ländern, zu kurz die Zeiten im Hafen, -der oft genug weit weg von den Städten liegt- und wo die Fahrt mit dem Taxi nicht selten fast einen Tageslohn kostet. Und zu Hause wird das Geld doch dringend gebraucht.
Weil wir tagtäglich verlässlich da sind, kann sich ein Seemann schon beim Auslaufen seines Schiffes in Rio, Yokohama, Auckland oder Kapstadt anfangen zu freuen. Ich fahre nach Hamburg und da werden wir im DUCKDALBEN bei der Seemannsmission schon erwartet! Das ist dann ein winziges Stückchen Heimat in der Ferne. Ich wünsche der Schwesterstation hier in Cuxhaven zum 100sten Geburtstag alles Gute, viele hilfreiche Unterstützung und ein gutes Gelingen der Feierlichkeiten. Vielleicht entsteht ja hier auch bald ein Seemannsclub nach meiner Meinung wäre das ein schritt in Richtung der Umsetzung der Verheißung, den dazu ist es Not-wendig zu teilen, abzugeben, damit es den Menschen auf den Schiffen zugute kommt. ……
Der Gott der ganzen Erde, der größer ist als all unsere Vernunft und unsere Sinne das fassen können, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus unserm Bruder
Amen    

 

Für den Gottesdienst

Machine-Translation into:

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR.

Levitikus 19,32 (Lutherbibel)  

festmachen 2017 03 thumb200 Respekt! Was für ein wegweisendes Wort. Menschen verdienen Respekt als Frau und Mann, als Kind, im Alter, als Muslim, als Hindu, als Christ, als Atheist. Respekt: die andere Person, mein Gegenüber, mein Mitmensch ist Gottes Geschöpf, genau wie ich.

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