Psalm 65,6-10b, Predigt Pfarrer Herrmann Bohlmann

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Die Gnade u Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen....

Wir hören Worte aus Psalm 65:
Mit Furcht gebietenden Taten
antwortest du uns in Gerechtigkeit,
Gott, du unser Befreier.
Du Vertrauen aller bis an die Enden der Erde
und am entlegenen Meer.
Geschaffen hast du die Berge mit deiner Stärke.
Und umgürtet mit Macht bändigst du
das Tosen der Meere,
das Tosen der Wellen,
das Getöse der Völker,
damit Ehrfurcht gewinnen vor deinen Taten,
die da wohnen an den äußersten Enden.
Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen."
Du suchst das Land heim und machst es sehr reich;
Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle

-Dieser Predigttext aus Psalm 65 wirkt wohl ziemlich gewaltig, fast protzig beim ersten Hören. Furcht, Stärke, Macht und Tosen, diese mächtigen Ausdrücke erdrücken mich ja förmlich. Aber der Schluß, der läßt schon aufhorchen, oder nicht? "Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen." Ich kann diesen Psalmvers auch so ausdrücken: "Was aufbricht im Osten wie im Westen erfüllst du mit Freude, o Gott". Und wer von uns möchte das nicht gern, froh sein so von innen heraus, selbst in der Passionszeit?

Liebe Gemeinde, Wissen Sie warum die Arbeit bei der Seemannsmission so spannend ist? Weil wir See-leute aus aller Welt treffen! Gewiß, aus dem Osten und dem Westen aus dem Norden und dem Süden. Aber spannend ist diese Arbeit mit den Seefahrern noch aus einem ganz anderen Grund: Ich staune im-mer wieder dar-über: auf den Schiffen und in unseren Einrichtungen der Seemannsmission treffe ich häufi-ger auf Seeleute, die froh sind, die von Herzen her zu-versichtlich sind und freuen können. Und oft sind das gerade solche, die nach unseren Lebenserwartungen und - vorstellungen ziemlich verzweifelt oder zumidest unzufrieden sein müßten.
Wenn Sie sich das mal vorstellen: !da arbeiten die täglich zehn bis vierzehn Stunden, meist am Wochenende genau so. Und das neun, zwölf oder fünfzehn Monate an einem Stück, auf einem Schiff, ohne Urlaub,ohne die Familie zu sehen.
Da kann ich mich gar nicht vollends hineinversetzen: Da muß jemand von zuhause weg. Er hatte Glück und konnte gerade noch die Geburt seiner Tochter erleben. Ja und dann 15 Monate in der weiten Welt. Und er kommt wieder nach Hause zurück. Und die Tochter läuft ihm entgegen. Oder wie mir einer berichtete: Sein Sohn hatte eben gelernt, Papa zu sa-gen. Da mußte er wieder an Bord. Und als er nach anderthalb Jahren wieder nach Hause kam, fragte der fast Dreijährige: Mama , wer ist der Onkel?

Als Seemann sind Sie bei der Arbeit normalerweise getrennt von der Familie, getrennt von dem Freundeskreis, getrennt von ihrem Verein, getrennt von ihrer Zeitung, von dem Fernsehen, von der Muttersprache, von der Kultur, getrennt von ihrem Land, getrennt von der Zeit, getrennt von diesem und jenem, getrennt von fast allem.
Und dafür erhalten sie dann fünfhundert oder tausend Mark im Monat. Und sol-che Menschen begeg-nen uns fröhlich, wie selten jemand in unserem Land, in dem es den meisten doch so vergleichsweise gut geht.
Und hier bei uns: mir scheint das Klagen nimmt immer mehr zu , wie schlimm alles ist und wird. Und die sind ja auch schlimm, die Nachrichten zur Zeti mit den Bergen von Tasuenden ermordeten und brennen-denn Tieren. Manchmal habe ich den Eindruck, die Klagemauer stände nicht in Jerusalem, sondern hier bei uns im Land. Wie schlecht alles geworden ist!
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich sind nicht alle schlecht verdienenden Seeleute fröhlich. Es gibt durchaus unzufriedene und verbitterte. Und ob. Außerdem verdienen die meisten erheblich viel mehr Geld, als ich vorhin nannte Aber ich meine jetzt genau diese beneidenswerten Seemänner, die mich, die uns überraschen, weil sie einfach Vertrauen und Freude ausstrahlen!.
'Ja, die kennen das eben nicht besser,' meinen Sie vielleicht. Na ja. Nur viele von ihnen haben mehr von der Welt gesehen als wir, und zwar mehr an Elend und mehr an Reichtum.
Ich denke dabei zum Beispiel an Ramos. Er kommt aus Indonesien und ist ein Maschinist auf einem griechischen Schiff, das regelmäßig in unseren Hafen kommt. Ramos besuchte uns mal wieder in unserem Club. Und da kommt er dann mit einem deutschen Seemann ins Gespräch. Natürlich parlieren die beiden auf englisch. Einiges schnappe ich auf und spitze meine Ohren immer mehr.
Der Deutsche fragt: "Also wenn ich das so höre, so viele Leute auf eurem Schiff und solche Arbeitsbedingungen, ist das nicht alles furchtbar eng und schlecht?" Darauf Ramos: "Ach nein. Okay, ich lebe mit zwei anderen zusammen in einer kleinen Kammer. Aber das ist besser als allein. Und was heißt schlecht? Schlecht ist für mich, wenn ich keine Verbindung habe zu Gott. Das passiert ja manchmal, und das ist dann schlimm. Dann fühle ich mich einsam und schlecht. Also das ist für mich immer das Erste und Wichtigste: ich brauche eine gute Beziehung zu Gott." --"Weißt du, Ramos, das ärgert mich. Wenn ich unmögliche Arbeitsbedingungen habe, dann muß ich mich selbst dagegen durchsetzten. Notfalls mit der ITF, der internationalen Gewerkschaft. Aber Gott, das ist doch ganz was anderes." --"Nein, wieso? Ich bin auch Mitglied der ......Mitglied der Gewerkschaft. Aber wenn es mir schlecht geht, das erste für mich ist Gott. Der ist mein Helfer. Wie soll ich sagen? Na, der macht mich frei. Weißt du, wenn meine Kammer eng ist, das ist nicht schlimm. Aber innen, mein Herz, wenn das ebng ist, das ist schlimm. Das braucht weiten Raum. Wenn Gott mich frei macht, dann geht es mir besser. Dann wird mein Herz weit. Und dann kann ich auch etwas gegen schlechte Arbeit tun, auch mit der Gewerkschaft. Aber erst brauche ich Gottes Hilfe, daß der mein Leben gut macht und weit. Denn Gott ist stark."
"Das versteh' ich nicht," sagt der Deutsche und fährt fort: "Und überhaupt, nimm mal die Sicherheit auf eurem Schiff. Ich hab' das da im Hafen liegen sehen. Auf dem Kahn würde ich ja nie fahren. Was meinst du, wenn ihr mal in einen ordentlichen Sturm kommt." Darauf Ramos: "Na unser Schiff ist zwar schon etwas älter, aber nicht schlecht. Und auch ganz moderne Schiffe sind schon spurlos verschwunden im Orkan. Doch ich habe keine Angst. Sieh mal, wenn es Unruhen gibt in einer Region in Indonesien, wie jetzt in Borneo z:B., wenn ganze Volksstämme zu Tosen beginnen, wie leicht kann einem da was passieren, gerade als Christen. Oder hier bei euch. Ich habe gehört, wie viele Menschen auf der Straße verunglüc-ken in Europa in einem Jahr. Das ist ja mehr als in einem Bürgerkrieg, allein in Deutschland. Hast du da auch Angst? Ich vertraue auf Gott. !Auf ihn verlasse ich mich! Wie Jesus damals auf dem Boot im Sturm, weißt Du!" Und dabei lachte Ramos und war fröhlich. Ja, er strahlte diese gewisse, diese unvermutete Freude aus.
Der deutsche Seemann gab es auf. Nachher sagte er zu mir: "irgendwie glauben die ganz anders als wir, oder nicht?." "Wie meinen Sie das?" fragte ich." "Na für den gehört alles - auch so im Alltag - noch mit dazu zum Glauben," meinte er.--

Liebe Gemeinde, ich denke, er hatte völlig recht. Der deutsche Seemann, aber der indonesische eben auch!
Liebe Gemeinde, ich weiß nicht, ob Sie auf der Ex-po waren? Oder ob Sie Men-schen gesprochen haben, die dort im Christuspavillon arbeiteten. Die Schwärmen in einer Weise, wie man das selten hört. Und warum? Nun, weil sie Gästen begeg-nen konnten, Menschen aus aller Welt. Sehen Sie, und deshalb ist Seemanns-mission so spannend. Denn das könnenn wir täglich: Gästen begegnen und bewirten aus aller Welt.
Ich weiß nicht, wie ihnen das geht. Wenn mich plötzlich mal die Sehnsucht packt nach den Enden der Erde, und ich mich erholen möchte an den Stränden ferner Meere im Urlaub, dann merke ich dort: was ich eigentlich suche und brauche, das ist noch was an-deres. In Wirklichkeit suche ich nämlich was mich in-nerlich frei macht und weit. Dieses weite Herz,! das fasziniert mich! So und dann erlebe ich solche gläubigen Seefahrtsgesellen, und die haben das einfach: die-sen Ort, diesen Ruhepol für sich ganz persönlich. Wo sie auch sind in der weiten Welt. Wie ihr Schiff auch aussieht. Sie haben diesen weiten Raum im Herzen.

In unserem Psalm 65 heißt das so: du Gott, der du die Berge geschaffen hast und das Meer, du bist unser Befreier. Und bei diesem alten hebräischen Wort für Befreier, da klingt das mit, dies: du führst uns heraus aus der Enge, heraus aus der Beklemmung in die Weite, in den freien Raum. Du schaffst mir das weite Herz. Daß dies für einen Seemann wichtig ist, verstehe ich auf Anhieb. Aber mit Sicherheit ist es das nicht nur für Seeleute. Und merkwürdig, dieses Wort Befreier hat den gleichen Ursprung, die gleichen Buchstaben wie der Name Jesus.

Und zu diesem weiten Herzen kommt noch etwas hin-zu, nämlich: Wenn ich recht sehe, ist dies ein Trend unserer Zeit: Wir suchen das Ganze, den Zusammenhalt. Dazu gehört auch: Ich selbst möchte in meiner Ganzheit ernst genommen werden. Ich will nicht daß hier nur ein Teil von mir so etwas gilt, und dort ein anderer Teil anders. Na und an Bord begegnen mir Menschen wie dieser Ramos. Die leben und glauben einfach dieses Ganz-Sein. Ihr Gott, den sie oft den Vater Jesu nennen, dieser Gott hält ihnen die ganze Welt zusammen. Das ist wichtig für uns heute, scheint mir, daß da nicht alles auseinanderfällt, daß wir das Leben um uns her nicht auseinanderreißen lassen, auch von den sogenannten "Global Players" nicht! Der Psalmbeter führt das vor: Da ist nicht die wunderschöne Natur, an der ich mich freue einerseits - das bedrohliche Naturchaos, vor dem ich mich fürchte, andererseits. Da sind nicht die aufständischen Volksmassen zum einen - die far-benprächtigen Folkgruppen als Vertreter exotischer Völker zum anderen. Da ist nicht die hektische Arbeitswelt hier und Kunst und Meditation dort. Nein, da ist der eine Gott, der all das geschaffen hat und erhält, der bändigt ebenso das Tosen der Wellen, wie das Getöse der Völker. Und er ist zugleich der, auf den Verlaß ist. Er gibt das getro-ste Herz. Auf diesen Gott hatte Ramos sich berufen. Und das ist es, was mich an dem so Glaubenden fas-ziniert: wie sehr Gott ihm sein ganzes Leben, die Na-tur, die Arbeitswelt, die Familie und alles, zusammenhält. Mit diesem Gott kann dieser gläubige Fahrens-mann die Welt erobern und aushalten. Ja mehr noch, dieser vertrauensvolle Gott weckt in ihm Freude. Er ist es, der da fröhlich macht, was lebt im Osten wie im Westen. Froh und zuversichtlich selbst inn der Passionszeit.

Und solche Freude steckt an!

O Gott. Mache doch froh, was da lebet im Osten wie im Westen, im Süden wie im Norden. Laß mir Freude und Zuversicht. Amen.

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Für den Gottesdienst

Machine-Translation into:

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Lukas 15,10 (Lutherbibel

festmachen 2017 10 thumb200

Meine Kindheit verbrachte ich auf Föhr mitten im Wattenmeer. Viele Bewohner lebten früher von den Zugvögeln, die sie mit Hilfe von so genannten Vogelkojen jagten. Das sind künstlich angelegte Seen, umgeben von einem kleinen Wald, auf denen die Zugvögel Pause machen können auf ihrem Weg.

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