Festmachen - Oktober 2017

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Lukas 15,10 (Lutherbibel

festmachen 2017 10Meine Kindheit verbrachte ich auf Föhr mitten im Wattenmeer. Viele Bewohner lebten früher von den Zugvögeln, die sie mit Hilfe von so genannten Vogelkojen jagten. Das sind künstlich angelegte Seen, umgeben von einem kleinen Wald, auf denen die Zugvögel Pause machen können auf ihrem Weg. Diese Kojen sind aber perfide Fanganlagen, weil sie an ihren Enden kleine Flüsschen andeuten, so genannte Pfeifen oder Reusen, die für Vögel verlockend sind. Diese Reusen waren allerdings mit einem Weiden-, später mit einem Drahtzaun überdacht. Die Zugvögel merkten irgendwann, dass sie nicht mehr wegfliegen können, sondern dass sie an das Dach der Reusen stoßen und - flohen nach vorne! Denn Vögel können nicht rückwärts fliegen. So flohen sie in die immer enger werdende Reuse, an deren Ende der Vogelfänger sie nur noch einsammeln musste.

Martin Luther formuliert in der Heidelberger Disputation 1518 folgende These: "Ein Mensch, der meint, er wolle dadurch zur Gnade gelangen, dass er tut, was an ihm ist, fügt Sünde auf Sünde, so dass er doppelt schuldig wird."

Das ist im Kern genau dieses "Immer-nach-vornefliehen", das gerade so in immer größere Unfreiheit führt.

Der Sünder glaubt, sich mit guten Taten Gottes Zustimmung erwerben zu können. Aber weil er die guten Taten aus dieser Berechnung heraus unternimmt, sind sie nicht mehr gut, sondern Sünde. Sich selbst redet er ein, es seien gute Taten. So sündigt er doppelt: mit der guten Tat und ihrer Rechtfertigung vor sich selbst.

Luthers Gedanke erscheint weit weg und ist doch nah und wahr. Denn wie oft versuchen wir mit den Mitteln unserer Persönlichkeiten die Probleme zu lösen, die eben diese Persönlichkeiten hervorgebracht haben.

Es gibt die Sünde des "Nach-vorne-Fliehens" gerade, wenn sie am wenigsten gebraucht wird: in Krisenzeiten. Luther spricht von einer doppelten Sünde. Ich kann nicht anders werden, ich komme nicht heraus aus mir selbst und aus meinen kleinen und großen Rechthabereien, Bosheiten, Neidgefühlen.

Darum bedarf es eines anderen Impulses, der nicht von mir selbst ausgeht, den ich nicht mache. Gottes Wort ist in christlicher Perspektive dieses befreiende Wort von außen, das Gott mir zuruft. Es kann mich aus mir selbst befreien - allein schon, weil ich nun nicht mehr allein in mir gefangen bin, sondern Gott in meiner Seele gleichsam "mitredet" mit seinem Geist der Barmherzigkeit.

Gottes Wort bleibt frei, er ist kein therapeutisches Mittel, das verabreicht werden kann wie Medizin; aber es ist die Verheißung einer Befreiung, die uns umkehren lässt und aus der Reuse befreit - und deshalb vielleicht so klingt: "Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut" (Lk 15,10).

Dr. Thies Gundlach
Vizepräsident, Kirchenamt der EKD, Hannover


 

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