DSM Rostock

Seemannsclub Hollfast: Ohne Ehrenamt geht es nicht

Die christliche Seefahrt ist heute vor allem eines: Ein hartes Geschäft. Im Rostocker Überseehafen kümmern sich seit 28 Jahren die Mitarbeiter der Seemannsmission um Menschen, die an Bord von Schiffen über die Weltmeere fahren.

Ein paar Sofas und Sitzecken stehen im Club, es gibt eine Leseecke, Computer-Arbeitsplätze, Billiardtische und einen Tresen, hinter dem heute Regina Qualmann steht. Sie ist eine von drei fest angestellten Mitarbeitern im Seemannsclub Hollfast, seit mittlerweile sieben Jahren. Während sie einem der Gäste ein Bier einschenkt, erzählt sie gut gelaunt: „Jeder Tag ist anders, man sitzt nicht nur am Computer, man ist unterwegs, man geht auf die Schiffe, man trifft sehr viele Leute von überall her, sehr unterschiedliche Leute – das macht einfach Spaß.“ Dass die Matrosen, die hierher kommen, oft auch schweres seelisches Gepäck zu tragen haben, gehört für sie ganz einfach zum Alltag.

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rostock team 2019

Dieses Team arbeitet in der Rostocker Seemannsmission – und nie sind alle gleichzeitig da:Ulrich Hein (v.l), Folkert J. Janssen, Regina Qualmann, Marie-Kristin Liebold, Dorothea Flake und Rolf Spannaus. (Foto: Privat)
 

 

wilhelmshaven pauseDSM Wilhelmshaven

Deutsche Seemannsmission – Nur eine kleine Pause zwischen Besuchen

Mitarbeiter von Heiligabend bis Neujahr im Einsatz

An den Festtagen gibt es gepackte Weihnachtstüten für die Besatzungen der in die Häfen einlaufenden Schiffe.

Ob Weihnachten, Silvester oder Neujahr, der Schifffahrtsbetrieb läuft weiter. Für die Schiffsbesucher der Seemannsmission war das Zusammensein am Heiligen Abend nur ein kurzer Moment des Innehaltens. „Unser Besuch ist auch an diesen Tagen von den Seeleuten auf den Schiffen erwünscht und für uns eine Selbstverständlichkeit.“ Mit diesen Worten begrüßte der Vorsitzende der Wilhelmshavener Seemannsmission, Wilfrid Adam, zur letzten Einsatzbesprechung alle noch bis zum Jahreswechsel diensttuenden Schiffsbesucher sowie Vorstandsmitglieder und Gäste im Haus der Seemannsmission an der Hegelstraße.

Artikel des Jeverschen Wochenblattes (Externer Link)
Foto: SEEMANNSMISSION - Die letzte Zusammenkunft aller Schiffsbesucher der Deutschen Seemannsmission Wilhelmshaven, die über die Weihnachtsfeiertage sowie bis zum 7. Januar ihren freiwilligen Dienst auf den Schiffen und im Haus der Seemannsmission versehen.
 

Weihnachten 2018

„Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“ (Matthäus 2, 10)

Dieser Vers ist der diesjährige Monatsspruch für Dezember. Also: Seit dem Beginn der Adventszeit leitet uns ein Vers aus der Geschichte, die gefühlt erst nach Weihnachten spielt, denn diese Geschichte ist das Evangelium des Epiphanias-Festes am 6. Januar. Dabei ist ein Krippenspiel ohne die Könige, die dem Stern folgen, kaum zu denken und für Kinder – kleine und große - eine große Enttäuschung. Es waren gar keine Könige? Ja, ich weiß, aber auch das ist eigentlich eine Enttäuschung ... ein bisschen Glanz muss doch sein, heute mehr denn je!

„Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“ – Dieser Stern, der hier gemeint ist, der Stern von Bethlehem hat eine unglaubliche Wirkung ausgelöst, eine Advents- und Weihnachtszeit ohne Sterne in allen möglichen Erscheinungsformen ist überhaupt nicht denkbar, da haben selbst die Engel keine Chance, obwohl die ja auch hoch im Kurs stehen. Ohne diese Geschichte vom Stern über den jene Weisen hocherfreut waren, wären all die Sterne wohl nicht in dieser Zeit, wie auch die Engel nicht wären, wenn sie nicht eine so wesentliche Rolle in den Geschichten spielen würden.

Der Stern bringt nicht nur Kinderaugen zum Leuchten, auch die Augen jener, die sich trauen, Ihrem kindlichen Gemüt Raum zu geben. Was fasziniert uns Menschen so an diesem Stern? Warum ist das Symbol so wichtig in dieser Zeit, die immer noch sehr viele Menschen in große Freude versetzt. Meine Tochter betont jeden Tag wie sie sich freut und ich kann mich nicht dagegen wehren, es steckt mich unglaublich an. Ich kann nicht anders als mich mit ihr zu freuen.

Die Kinder machen es mir leicht hocherfreut zu werden, da habe ich Glück. Ich habe mich schon gefragt, was ich mache, wenn alle meine Kinder groß sind und ihre Freude nicht mehr so offen mit mir teilen. Ich weiß jetzt schon, ich werde es vermissen. Aber ich werde weiter jeden Samstag vor dem ersten Advent meine kleinen und großen Herrnhuter Sterne aufhängen und sie zum leuchten bringen. Und wenn sie hängen und leuchten – dann kann gewesen sein was will – es wird Advent in mir. Auch dagegen kann ich mich nicht wehren.

„Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“ – die Sterne - und die Engel auch – sind symbolische Brücken in eine Dimension dieser Geschichten, die für uns Menschen geheimnisvoll ist und bleibt – und sie sind auch eine Brücke in Dimensionen unseres Menschseins, die uns ebenso geheimnisvoll sind und bleiben. Theologisch nennen wir das heilig. Und warum es diese Freude auslöst, können wir vielleicht versuchen zu erklären, aber diese theologischen Erklärungssversuche bleiben immer etwas hilflos.

Heiliges sollte man einfach mal so stehen lassen – oder leuchten lassen oder singen lassen. „Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“ Wenn man Sterne sehen will, muss man aufstehen, sich erheben, den Rücken gerade machen und den Kopf zum Himmel richten. „Steht auf und erhebt Eure Häupter, weil sich Eure Erlösung naht!“ (Lukas 21, 28)

Propst Frie Bräsen, Hamburg
Vizepräsident der Deutschen Seemannsmission e.V.
   
 

duckdalben janDSM Duckdalben

Seemannsdiakon aus Leidenschaft

Traditionell verschicken an Heiligabend in der Radiosendung "Gruß an Bord", Familien und Freunde Nachrichten an Seeleute in alle Welt - und Schiffsbesatzungen Grüße in ihre Heimat. Zum ersten Mal war die Sendung an Weihnachten 1953 im Radio zu hören. 2018 wurde sie unter anderem in dem Hamburger Seemannsklub Duckdalben aufgezeichnet. Der evangelische Diakon Jan Oltmanns leitet die Einrichtung schon seit mehr als 30 Jahren.

Der evangelische Diakon Jan Oltmanns steht vor dem Eingang des Seemannsklubs Duckdalben. © NDR Foto: Charlotte HornJan Oltmanns leitet den Seemannsklub Duckdalben in Hamburg.
"Ich bin Jan Oltmanns. Ich bin aus Leidenschaft Seemannsdiakon und hab das große Glück und Privileg, dass ich den Seemannsklub seit seiner Gründung 1986 leiten darf."

Großgewachsen, lange grau-blonde Haare, grauer Bart und gestreiftes Seemannshemd - Jan Oltmanns fällt auf. Er selbst redet nicht gerne über sich, stellt lieber seine Arbeit in den Vordergrund. Die Seeleute liegen dem 62-Jährigen sehr am Herzen. Im Duckdalben haben sie gutes WLAN, einen kleinen Laden und erfahrene Ansprechpartner wie Oltmanns. Hier zähle nicht der Rang, sondern sie als Mensch, sagt der Diakon.

Ein Ort zur Kommunikation
"Dass wir für die Seele der Seeleute sorgen, dass kann man ganz bestimmt so sagen. Weil wir die Möglichkeit schaffen, in der eigenen Sprache in Ruhe mit der Heimat zu kommunizieren", so Oltmanns. "Dass sie auch in Hamburg die Möglichkeit haben zum Landgang, das ist sehr gut für die Seeleute. Und an dieser Freude lassen sie uns auch teilhaben."

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Text und Foto: NDR.de, Charlotter Horn
 

harburg weihnachten 18DSM Hamburg-Harburg

Seemanns-Eltern bringen Weihnachtsgeschenke für Seeleute im Hamburger Hafen

In der letzten Woche vor dem Weihnachtsfest reisten Klaus und Annette Kuhn nach Norden. Die beiden sind Dekane im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Heidenheim im bayerischen Mittelfranken. Ihr Ziel: Der Seemannsclub in Hamburg. Im Gepäck: 24 Taschen mit Geschenken für Seeleute. Heiligabend machen sich Jörn Hille und sein Team von haupt- und ehrenamtlichen Bordbetreuern der Deutschen Seemannsmission in Hamburg zur Bescherung an Bord auf: Sie besuchen Seeleute, die während der Feiertage im Hafen festgemacht haben und nicht an Land gehen können.

Bestickte Schlummerkissen, Wollsocken, ein Weihnachtsbaum-to-go und vieles mehr… Das ist in den 24 Geschenke-Taschen, die das Ehepaar Kuhn in den DUCKDALBEN bringen. Heiligabend in der Früh machen sich Jörn und andere auf, die Geschenke über die Gangway zu bringen.

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Foto: Elbe Wochenblatt
 

rostock weihnachtsbaeume 18DSM Rostock

Seemannsmission verteilt Weihnachtsbäume an Seeleute

Die Rostocker Seemannsmission hat Schiffsbesatzungen im Überseehafen der Hansestadt den traditionellen Weihnachtsbaum übergeben. Mit einem Fischkutter fuhr der Missionsdiakon Folkert Janssen am Mittwoch zu elf Schiffen, sagte er am Mittwoch im Anschluss. "Es ist prima gelaufen, das Wetter hat mitgespielt und es war ein großer Spaß für alle Beteiligten", sagte Janssen.

25 Nordmanntannen hatte er nach eigener Aussage dabei, die wie schon seit Jahren von Groenfingers gestiftet wurden.

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Foto dpa: Seemanndiakon Folkert J. Jansen übergibt im Rostocker Seehafen Tannenbäume an an der Pier liegende Frachtschiffe.
   
 

DSM e.V.

Weihnachten an Bord

Liebe Leserin, lieber Leser,

June Astavaris ist Mitte 30, er sieht jedoch eher wie Mitte 50 aus. June kommt von den Philippinen und ist nun schon seit 7 Monaten an Bord des Containerschiffes. Hauptsächlich fährt er Routen zwischen China und Europa, erzählt er unserem Seemannspastor beim Besuch auf seinem Schiff. Meistens weiß er gar nicht so genau, wo er gerade ist; aber es ist ihm eigentlich auch egal, wie er meint. Das Schiff kann er eh nur sehr selten verlassen. Die Liegezeiten im Hafen werden immer kürzer und wenn es dann doch einmal möglich wäre, dann hindern ihn und seine Kollegen die Leute von der Hafenverwaltung daran.

Außerdem ist die Liegezeit oft die einzige Möglichkeit, etwas länger schlafen zu können. Der Schichtbetrieb und die ständige Zeitumstellung machen seinem Körper sehr zu schaffen. Oft fühlt er sich nur noch wie ein bewegliches Maschinenteil auf dem Schiff.
Sieben Monaten auf dem Schiff bedeutet für June sieben Monate Trennung von Familie und Freunden. Seine Kinder sieht er nur manchmal, wenn er in einem Hafen Internet oder einen Telefonzugang hat. „Sie reden zwar mit mir,“ gesteht er, „aber eigentlich habe ich den Eindruck, als würden sie mit einem Fremden sprechen.“ Die anderen Seeleute an Bord haben alle ähnliche Probleme, wie ich weiß. Doch in der Männergesellschaft der Seeleute spricht man nicht darüber.

Die Seele der Matrosen bekommt in dieser Einsamkeit auf hoher See schmerzliche Risse. An Familienfesten, insbesondere an Weihnachten, ist es besonders schlimm; auch die harte Schale der Seeleute hält dann die leisen Tränen nicht mehr auf. „Natürlich feiert man ein bisschen an Bord,“ erzählt mir June, „es gibt ein besonderes Essen und man schaut sich vielleicht gemeinsam einen Film an, um sich etwas abzulenken.“ Aber dabei denken viele nur sehnsüchtig an ihre Familie.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Seemannsmission versuchen in dieser sensiblen Zeit besonders präsent im Hafen und an Bord dieser Schiffe zu sein. Bereits jetzt sind viele Weihnachtspakete gepackt, die aus Spenden finanziert werden. Sofern die Mittel reichen, kommen auch Telefonkarten mit hinein, damit die Seeleute kostenlos nach Hause telefonieren können: sozusagen „Weihnachten am Ohr“. Und auch die eingepackten Plätzchen, eine Weihnachtskarte und die anderen kleinen Geschenke lassen die Seeleute sich wieder als Mensch fühlen, lassen die Augen glänzen.

Möchten Sie auch den Seeleuten einen Strahl des Weihnachtssterns schicken, ein Leuchten in den ansonsten von der rauen See hart gewordenen Augen und Gesichtern hervorzaubern?

Mit Ihrer Spende können dabei helfen!
Clara SchleichHerzlichen Dank!
Ich wünsche Ihnen eine besinnliche und fröhliche Weihnachtszeit im Kreis Ihrer Familien.
Mit einem herzlichen Gruß der Verbundenheit

Ihre
Dr. Clara Schlaich
Präsidentin des ehrenamtlichen Vorstandes der Deutschen Seemannsmission e.V.

   

PS: Wussten Sie eigentlich, dass die meisten Ihrer Weihnachtsgeschenke bevor sie bei uns in die Läden kamen mit Container-Schiffen, wie dem von June Astavaris transportiert wurden?
   

 

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