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rostock ausstellungDSM Rostock - DSM Alexandria

Bei den Paten ihres Ankerplatzes

Über das Seemannsheim Alexandria, eine hier initiierte Ausstellung, die nun auch in Rostock zu sehen ist.

Der Hafen von Alexandria gilt als einer der größten und wichtigsten See-Umschlagplätze am Mittelmeer. Fast 60 Prozent des ägyptischen Außenhandels gehen dort über die Kaikanten. Die Seemannsmission in Alexandria war einmal Treffpunkt und Anlaufstelle für Seeleute, die oft monatelang auf den Meeren unterwegs sind. Sicherheitsvorkehrungen versperren ihnen heute den Weg in die 4-Millionen-Metropole. So kommen sie auch nicht in das Seemannsheim, das vor 56 Jahren als Ankerplatz für Fahrensleute aus aller Welt aus der Taufe gehoben wurde. Der Leiter des Heims geht deshalb zu ihnen an Bord. Bis zu zehn Schiffe besuche er täglich, berichtet Markus Schildhauer (59), der Leiter der Station.
Er hört sich hier die Sorgen und Nöte an, gibt den Seeleuten Zuspruch, betreibt so auch Seelsorge. Mancher ist von seinen Erlebnissen traumatisiert. Das war auch die Crew eines Frachters, die er zu einer Weihnachtsfeier besuchte. Sie hatte wenige Tage zuvor ein Flüchtlingsboot sinken sehen, von denen die meisten der Insassen trotz der Rettungsversuche vor ihren Augen ertrunken waren.
Markus Schildhauer erzählt das, während wir die Bilder im Remter des Rostocker Rathauses betrachten, die er mitgebracht hat.

Die Ausstellung zeigt Gesichter Alexandrias

Zu sehen sind Fischer in ihrem Metier, Schiffbauer bei Reparaturarbeiten, Taxifahrer – junge und alte Menschen und ihr vielfach verfallenes Umfeld. Die Schnappschüsse sind das Ergebnis eines Fotowettbewerbs, zu dem die Seemannsmission zusammen mit dem Goethe-Institut und der deutschen Botschaft anlässlich des 55. Bestehens des Seemannsheims aufgerufen hatte. Aus über 900 Einsendungen wurden etwa 50 Motive für die Ausstellung ausgewählt, die bis zum 20. August nun auch in Rostock zu sehen sind. Clara Schleich, die Präsidentin der Deutschen Seemannsmission (DSM), hatte sie am Vorabend der Hanse Sail anlässlich des 800. Stadtjubiläums Rostocks eröffnet.

 

Als die Bilder im März 2017 im Seemannsheim in Alexandria gezeigt wurden, war auch Folkert Janssen, der Leiter der Rostocker Seemannsmission, unter den Gästen. Die Rostocker Station „Hollfast“ ist Pate des Heims, das Besucher auch „Oase der offenen Worte“ nennen. Den 16 inländischen Stationen der DSM war seinerzeit die Betreuung der 16 ausländischen Einrichtungen zugeordnet worden – den Rostockern die Station in Alexandria. Und die Rostocker nahmen diese Aufgabe ernst. Markus Schildhauer bereitete sich hier auf seine missionarische Tätigkeit vor und hält bis heute mit dem Team Kontakt. Wenn er Rat braucht, könne er sich vertrauensvoll an die Rostocker wenden, hebt er hervor.
„Hollfast“ unterstützt Renovierung des Heims

Hier unterstützt man die Arbeit nicht nur mit guten Worten. So wurde jüngst dem Heim ein Scheck über 1045 Euro als Beleg internationaler Solidarität überreicht. Das sei das Ergebnis eines kleinen Aufschlages, den die bei „Hollfast“ vor Anker gegangenen Seeleute für ein Getränk zu berappen hatten, erklärt Janssen. Das Geld wird nun für die Renovierung des Heims in Alexandria genutzt, berichtet Schildhauer. Seit vier Jahren ist er inzwischen mit seiner Frau Karin Streicher hier engagiert. Er kommt aus Fürstenfeldbruck bei München. In seinen früheren Tätigkeiten hat der gelernte Kaufmann, der bereits als Entwicklungshelfer in Afrika engagiert war, die Arbeit der Seemannsmission kennen- und schätzen gelernt. In diesem Netzwerk bietet er mit seiner Frau, eine gelernte Altenpflegerin, nun inmitten einer krisengeschüttelten Region nicht nur Seeleuten einen wichtigen Ankerplatz.

Die in Alexandria lebenden etwa 100 Deutschen kommen wie etliche Ägypter gerne zu kulturellen Veranstaltungen in diese Oase, in der auch syrische Flüchtlinge ein Zuhause fanden und mit der Fertigung von T-Shirts ihren Beitrag zum Erhalt der Station leisten. Jeden Monat gibt es hier auch eine kleine Festivität. Etwa 900 Gästen werden jährlich Übernachtungsmöglichkeiten geboten. Frische Eier von eigenen Hühnern und selbst gebackenes Brot gehören zu den kulinarischen Offerten. In der alten Villa abseits des Verkehrslärms herrscht lebendiges Treiben.

Die von der Station initiierte Fotoausstellung bringt uns darüber hinaus die Menschen in diesem Land näher - sei es den alten Bettler vor der Moschee, die Männer in ihrem Arbeitsumfeld oder in Kaffeehäusern die Zeit totschlagend, Kinder beim Spiel. Wir sehen so auch in die großen Augen eines Jungen, der mit bangem Blick in die Zukunft schauen mag. Was bei den verschiedenen Bildmotiven neben den Porträts auffiel, sind einige in Deutschland ausrangierte Straßenbahnen. Einige kommen auch aus Rostock.

Artikel und Foto von Reiner Frank erschienen auf www.nnn.de ©2018
   
 

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