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Dokumentation: "Wir schicken ein Schiff"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Heinrich Bedford-Strohm steht an Deck des neuen Schiffs "Sea Watch 4". Im Namen der Evangelischen Kirche soll dieses Schiff umgebaut werden und im Mittelmeer Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten.

Den Bericht ansehen : ARD - Das Erste (Externer Link)
   
 

news tigerstreifGedanken zu Corona-Zeiten

Ein Tigerstreif am Horizont

von Jonas Buja - 2. Offizier MV "Gaschem Shinanon"

„In der Theorie – das heißt als rein physische Möglichkeit betrachtet – könnte ein Tier überallhin gehen…“, schreibt Yann Martel in seinem Buch „Schiffbruch mit Tiger“. In der Praxis würde ein Zootier aber lieber in seinem Käfig bleiben, als mit den Problemen der großen weiten Welt konfrontiert zu werden.

Und so wie es mit Tieren, zum Beispiel Tigern, und ihren Käfigen ist, so ist es wohl auch mit Seeleuten und ihren Schiffen. Mir geht es zumindest so. An Bord, da weiß ich wo was ist und dass die Menschen, denen ich begegne, mir nichts Böses wollen. Sie sind meine Kollegen. Die kenne ich. Die zu erwartenden Überraschungen sind zu bewältigen: kaputte Maschinen, rostige Decks und Stürme. Damit können wir um. Dafür sind wir ausgebildet. Klare Verhältnisse sind es, die an Bord herrschen.

Der große Wassergraben um das Gehege herum, das Meer jenseits der Reling, schirmt uns von allem ab, was die Welt sonst erschüttert und die Schlagzeilen bestimmt.
So ist es auch mit Corona. Gemeinsam ist man an Bord so oder so die meiste Zeit in so etwas wie Quarantäne. Alle an Bord gehören quasi demselben Haushalt an und so ändert sich das Leben auf dem Schiff gar nicht groß. Schön ist es in Zeiten wie diesen auf See sein zu dürfen.

Die See aber ist nicht der Hafen.

Im Hafen tritt dann vieles umso krasser zu Tage. Den so wie der Tiger in seinem Käfig, so ist auch der Seemann auf seinem Schiff auf die Außenwelt angewiesen: Raubtierfütterung.

Auch ein noch so gut proviantiertes Schiff mit vollen Bunkertanks braucht irgendwann Nachschub. Nicht nur Reis mit Ketchup, den es meistens auch dann noch gibt, wenn alle anderen Vorräte aufgebraucht sind, auf Dauer nicht das schmackhafteste Essen, sodass man sich eben nicht jeden Tag wieder neu darauf freuen kann, schreit nach Abwechslung. Auch ein noch so großes Schiff wirkt irgendwann beengt, auch der noch so lieben Kollegen wird man mit der Zeit ein wenig überdrüssig. Man braucht einfach eine Luftveränderung.

Mit den herrschenden Einreiseverboten und Quarantänebestimmungen wird ein für drei Monate geplanter Einsatz schnell mal zu einem halbjährigen. Oder aus den geplanten sechs Monaten an Bord werden neun. Vielleicht auch ein ganzes Jahr. Die einen legen einfach nicht in Häfen an, in denen man von Bord könnte. Andere bekommen keine Ablöse, weil der Kollege an Land nicht von zuhause wegdarf oder wenn doch, dann gibt es keine Flugzeuge, die ihn von der Heimat zu seinem Schiff bringen könnten.

Und natürlich ist die Seefahrt kein Selbstzweck. Wenn die Weltwirtschaft eine Delle bekommt, dann trifft das selbstverständlich auch die Seefahrt. Als Seeleute transportieren wir schließlich alles: auch das in Deutschland produzierte T-Shirt ist ja nicht aus Baumwolle von den Bäumen im Schwarzwald gesponnen. Viele Seeleute verlieren also derzeit ihre Jobs oder liegen einfach ewig ohne Beschäftigung mit ihren Schiffen vor Anker. Das macht mürbe. Vor allem die Kreuzschifffahrt hat es schwer getroffen. Sie wurde quasi eingestellt.

Zu guter letzt und an erster Stelle steht aber natürlich die Sorge um die Familie zuhause. Zwar schätzt man sich glücklich an Bord arbeiten zu dürfen und nicht unnötig daheim rumsitzen zu müssen in einer Welt, in der man die eigenen vier Wände kaum verlassen darf, aber man würde dennoch gerne die unterstützen, die man liebt. Seine Kinder betreuen, damit die sich nicht allzu sehr langweilen. Den Eltern oder Großeltern den Wocheneinkauf vor die Haustür stellen, damit die nicht selber raus müssen und Gefahr laufen sich mit Corona zu infizieren. Einfach wissen, dass es ihnen gut geht und nicht ahnungs- und tatenlos am anderen Ende der Welt sitzen.

Aber was nich‘ is‘, is‘ halt nich‘! Das müssen wir aushalten. Ob wir das auch können, ist eine andere Sache.

Gut, dass uns die Seemannsmission dabei hilft. Dort wo es nicht behördlich untersagt ist, kommen Diakone, Pastoren und Ehrenamtliche weiter mit offenen Ohren und SIM-Karten an Bord. Wo der Landgang ausfällt auch mit gefüllten Einkaufstaschen. Das Seemannsheim in Emden sei zwar praktisch immer leer, schrieb mir Pastor Meenke Sandersfeld, dafür sei er aber viel im Hafen unterwegs und erledige viele Einkäufe für Seeleute. „Du glaubst ja gar nicht, was es alles im Supermarkt zu kaufen gibt,“ berichtete er von all den kleinen Dingen, die einem an Bord das Leben versüßen und ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Ein Streif am Horizont. Vielen Dank! Allen Mitarbeitern der Deutschen Seemannsmission!

Gut behütet vor allem vor bösen Überraschungen sitzt man also als Seemann auf seinem Schiff. Aber eben auch gefangen. Gefangen mit den eigenen Problemen, die über das Schiff, das Meer hinausgehen.

Foto: Lena Horstmann
 
 

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Seeleute sitzen wegen Corona-Krise auf Schiffen fest

Weltweit sitzen schätzungsweise zwischen 150.000 und 200.000 Seeleute wegen den Corona-Schutzmaßnahmen auf Schiffen fest und können nicht an Land. Über die Situation der Seeleute in Hamburg haben wir mit dem Seemannsdiakon Jan Oltmanns gesprochen.

Seeleute können wegen der Coronavirus-Schutzmaßnahmen und Reisebeschränkugen nicht von Bord der Schiffe oder zurück in ihre Heimat reisen, auch wenn ihr Einsatz schon seit Wochen beendet ist. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO/IAO schätzt, dass bis zu 200.000 Seeleute festsitzen. Betroffen davon sind vor allem Menschen aus Indonesien, Osteuropa und Südamerika.
Sonderstatus für Seemannsmission Duckdalben

Eine Ausnahme bildet die Hamburger Seemannsmission Duckdalben, die einen Sonderstatus genießt. Diese wird so behandelt wie ein Besuch beim Arzt. Für einen Besuch dürfen die Seeleute ihr Schiff verlassen. Hier arbeitet der Seemannsdiakon Jan Oltmanns. In Hamburg, so sagt er, habe sich die Situation vor allem auf Kreuzfahrtschiffen etwas entspannt. Hier würden viele Seeleute mittlerweile wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Das liege daran, dass die Reedereien sehr viele Beschäftigte an Bord hätten, für die sie Flieger chartern und entsprechende Vereinbarungen mit den Heimatländern aushandeln. Die Quarantäne als Voraussetzung für die Wiedereinreise in die Heimatländer hätten die Seeleute schon an Bord hinter sich gebracht.

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news seeleute coronaAuch Bremer Reederein betroffen

Weltweit sitzen über 150.000 Seeleute fest

Wegen der Corona-Pandemie dürfen Seeleute nicht ihre Schiffe verlassen und können nicht zurück in ihre Heimat. Die Bremer Seemannsmission betreut die Seeleute, deren Schiffe in Bremen liegen, täglich.

Sie sind häufig Wochen und Monate fernab der Heimat unterwegs – das sind sie gewöhnt. Doch die Corona-Pandemie verdoppelt teilweise den Aufententhalt an Bord und das ist denn auch für viele Seeleute zu viel: Sie leiden unter Heimweh und psychischer Belastung. Während an Land immer mehr Restriktionen gelockert werden, sitzen nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) weltweit mehr als 150.000 Seeleute auf ihren Schiffen fest. Am 25. Juni soll das verstärkt in den Fokus rücken, dann dann ist der internationale „Tag des Seefahrers“. Auf besondere Feierlichkeiten will die Bremer Seemannsmission aber in diesem Jahr verzichten. „Wir sind ganz klar der Auffassung, dass wir gerade in der Corona-Zeit täglich den ,Tag des Seefahrers' begehen“, sagt Diakon Magnus Deppe, Leiter der Seemannsmission.

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Foto: Symbol-Foto
 
 

Seeschifffahrt

Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3" verlässt Cuxhaven

Nach mehr als einem Monat Liegezeit in Cuxhaven verlässt das Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3" am Freitagabend den Hafen. Von den rund 2.900 TUI-Beschäftigten an Bord seien inzwischen 1.900 in ihre Heimatländer gebracht worden, bestätigte eine Sprecherin der Reederei TUI Cruises am Freitag dem epd. Das Schiff werde nun in die Deutsche Bucht fahren, wo es vor Helgoland oder vor Wangerooge auf Reede gelegt werde. Vor der ostfriesischen Insel Wangerooge liegen bereits die beiden Schwesterschiffe "Mein Schiff 4" und "Mein Schiff 6" auf Warteposition vor Anker.

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Denkanstoss

Zu Pfingsten

Für die Freunde*innen von Jesus war die Zeit zwischen Karfreitag und Pfingsten  sehr turbulent. Von der Kreuzigung, dem mehrfachen Erscheinen des Messias nach Ostern bis zur Himmelfahrt eine Phase der  Zerissenheit zwischen Furcht und Hoffnung. Was würde werden? Was sollte sie weiterhin miteinander verbinden? Der Glaube an die – wie auch immer geschehene - Auferstehung Christi? Er blieb und bleibt bis heute das tragende Element unseres Glaubens. Zu Himmelfahrt verspricht Jesus seinen Gefährten*innen in Lukas 24,48: „Ich werde den Heiligen Geist  zu euch herabsenden, den mein Vater euch versprochen hat“. Diese Verheißung geschah zu Pfingsten, wie wir es im 2. Kapitel der Apostelgeschichte lesen können. In diesem Heiligen Geist fanden die Christen der Urgemeinde Zuversicht, Hoffnung und Orientierung miteinander zu leben und zu glauben bis in die heutigen Tage. Glaube, Hoffnung, Zuversicht und Liebe macht diesen Geist aus und damit den Glauben aller Christen. In dem wir uns darum bemühen eben diesen Glauben, bei allem Scheitern und Zweifeln zu leben, versuchen wir ihn in unsere Realität hineinzutragen. Darum wollen wir uns nicht kirre machen lassen in diesen Tagen unter den Umständen von COVID 19 von Verschwörungstheorethikern*innen, sondern leben in der guten Zuversicht und Hoffnung, dass wir diese Zeit kreativ durchstehen.  Wir erleben dabei über uns hinaus mehr Rücksichtnahme untereinender, Verständnis und lernen geduldiges Aushalten, weil wir wissen, dass so gelingen wird, diese Zeit zu bewältigen

Ich möchte Ihnen weiterhin Mut dazu machen und wünschen Ihnen den Geist von Pfingsten dazu, dem Tag der auch als der Geburtstag der Kirche gefeiert wird. Freuen wir uns auf das Feiern trotz und gegen  aller Widrigkeiten.

Diakon Folkert Janssen, Rostock
 
 

cuxhaven buederich 2020DSM Cuxhaven

Evangelische Gemeinde Büderich : Die Niederrheiner und die Nordsee

Die Evangelische Kirchengemeinde Büderich und die Seemannsmission Cuxhaven führen seit 28 Jahren einen engen Austausch. Für Pfarrer Wilfried Pahlke bedeutet diese Partnerschaft, dass Kirche nicht nur vor Ort in der Gemeinde sein muss.

Besonders jetzt in der Corona-Krise gehören Seefahrer für Pahlke zu den Menschen, die mit ihrer Arbeit Besonderes leisten und in systemrelevanten Berufen arbeiten. Denn 90 Prozent aller Exporte und Importe gehen über den Seeweg. „Ohne die Seefahrt würden jetzt in der Corona-Krise viele Lebensmittel nicht da sein. Leider werden die Seefahrer immer vergessen“, sagt Pahlke.

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Konzert-Schiffsreise durch den Hamburger Hafen

Die Seeleute auf ihren Schiffen im Hamburger Hafen haben normalerweise wenig Abwechlsung. Am Sonntag gab es Musik - von der deutschen Seemannsmission.

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