Seemannsmission fordert reibungslosen Landgang in allen Häfen

Generalsekretär Matthias Ristau zum Tag der Seeleute

Heute, am 25. Juni, ist der Tag der Seeleute. Die IMO ruft zum Day of the Seafarer auf. In diesem Jahr unter dem Motto „Carrying World Trade, Carrying the risks“. Das kann man frei so übersetzen: „Sie bewegen den Welthandel, die Risiken bewegen sie.“

Das passt auch zur Lage der Seeleute 2026. Seit fast vier Monaten sind Seeleute der Krise an der Straße von Hormus ausgeliefert. 11.000 hängen dort noch immer fest. Die IMO plant eine langsame Ausfahrt der Schiffe, aber ob das sicher ist?

Die Piraterie nimmt wieder zu. Der Ukrainekrieg wirkt sich immer noch auf Seeleute aus oder auch organisierte Banden im Drogenschmuggel und die damit einhergehende Kriminalisierung von Seeleuten.

Unsere Mitarbeitenden treffen über 130.000 Seeleute pro Jahr. Da hören und sehen wir viel. Außerdem sind wir Teil des internationalen Netzwerks der ICMA. Dadurch können wir noch viel mehr Seeleute erreichen und etwa für die Weiterbetreuung sorgen, wenn das Schiff weiterfährt.

Seeleute arbeiten an Bord, sie leben dort aber auch. Meist sind es vier, sechs oder gar neun Monate.  Sie arbeiten sieben Tage die Woche, zwischen 70 und 90 Stunden pro Woche sind erlaubt.
Da ist es sehr wichtig, einmal runterzukommen. Ganz wörtlich runter vom Schiff, weg vom Arbeitsort. Das ist Landgang. Darum ist der Landgang so wichtig und nicht etwa ein Luxus, sondern notwendig für die seelische und körperliche Gesundheit der Seeleute. Das ist auch bei unseren vielen Begegnungen mit Seeleuten immer wieder Thema. Wie schlimm es ohne Landgang ist und wie groß die Freude, wenn er endlich möglich ist.

Zugleich nehmen die Belastungen zu: eine Krise jagt die nächste: Corona, der Ukrainekrieg, die Angriffe der Huthi am Roten Meer, und jetzt die Lage in der Straße von Hormus. Bei geopolitischen Krisen und Verwirrungen sind Seeleute oft ganz unmittelbar betroffen.

Als Generalsekretär bin ich weltweit unterwegs bei den Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Von ihnen und von Seeleuten höre ich immer wieder ein Thema: Landgang und wo er überall eingeschränkt ist. Gründe dafür sind z. B: Behörden, die den Landgang untersagen oder erschweren, private Terminals, kein Shuttle auf dem Terminal, teure Taxis auf dem Terminal, abgelegene Terminals und angebliche Sicherheitsgründe vom Terminal.

Das ist das, was ich höre. Ich kann davon aus eigener Erfahrung sprechen, es aber nicht belegen. Da freute ich mich, dass es letztes Jahr eine Studie der World Maritime University dazu gab, die vieles was ich schon wusste, empirisch bestätigt. Das war der Anlass, das durch eine Befragung bei der Deutschen Seemannsmission zu stärken.

Wir haben unsere Standorte im In- und Ausland angefragt. Es freut mich, dass 16 Standorte mitgemacht haben, v. a. in Europa.1.200 verwertbare Fragebögen haben wir ausgewertet.

Aus unserer Sicht ist Folgendes wichtig:

  • Landgang ist für viele Seeleute viel zu selten möglich (alle vier Wochen Landgang im Mittel).
  • Dann sind es nur wenige Stunden, wobei die Zeit vom Schiff zum Terminaleingang und dann zur Stadt oder zum Club zu kommen schon viel Zeit verschlingt.
  • Fehlender Transport ist oft ein Hindernis.
  • Die Hindernisse sind vielfältig.

Aber die Befragung zeigt auch, die Seeleute sind hochqualifizierte Fachkräfte und Experten für ihre ganz besondere Welt. Sie wissen, was man verbessern müsste. Was Seeleute sagen: Transportmöglichkeiten
Arbeitseinteilung an Bord und es braucht bessere Informationen.

Es fehlt also nicht an Lösungsvorschlägen, die müssen nur umgesetzt werden. Wir müssen davon wegkommen, dass die Akteure immer sagen: Ich kann nichts dafür und auf andere verweisen.
Damit Landgang möglich wird, liegt in der Verantwortung aller in der Schifffahrt und der Lieferkette. Denn: Menschen an ihrem Arbeitsplatz einzusperren ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte! Deshalb müsste sich jeder, der mit dem Transport per Schiff zu tun hat dafür einsetzen, dass Landgang möglich ist. Das gehört zur Nachhaltigkeit dazu und zur Verantwortung auch der Firmen in der Logistik oder der Firmen, die per Schiff beliefert werden.

Als Deutsche Seemannsmission möchten wir mit dieser Befragung einen Impuls geben, dass sich in den befragten Häfen alle Akteure sich zusammensetzen und ihre Bemühungen um Landgang verstärken.

Ich rufe alle in Schifffahrt, Häfen, Politik und Wirtschaft dazu auf, alles dafür zu tun, damit in allen Häfen weltweit Landgang problemlos möglich ist.

Matthias Ristau,
Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission

Die DSM wird gefördert und unterstützt durch

Unterstützen Sie uns

Spendenkonto:
Deutsche Seemannsmission e.V.
Evangelische Bank eG
IBAN: DE17 5206 0410 0106 4058 86
BIC: GENODEF1EK1

Für Seeleute

Logo für den Chat für Seeleute dsm.Care DIe Buchstaben DSM durchsichtig in einer Wolke, im Punkt ist das Ankerkreuz der Seemannsmisssion und runter steht Care

Wer wir sind…

Über uns
Leitbild

Seemannsmission

Kontakt
Spenden

Jetzt spenden