Eine Fränkin in Antwerpen
Karin Achtelstetter ist neue Seemannspastorin in Antwerpen
„Wollen Sie wirklich nach Antwerpen kommen?“, fragte ich die Pfarrerin, die sich auf unsere Stellenausschreibung aus Kanada beworben hatte. Was für eine Überraschung war das, noch dazu für eine geteilte Stelle – halb Gemeindearbeit, halb bei der Deutschen Seemannsmission. Aber Karin Achtelstetter antwortete mit großer Bestimmtheit: „Ja.“
Als ich ihre Geschichte hörte, konnte ich besser verstehen, warum die Pastorin meinte, dass die Stelle in Antwerpen gut passen würde. Ein Grund liegt sicher in ihrer Kindheit. Rudolf, der Bruder ihrer Mutter, war von zu Hause ausgezogen und Seemann geworden. Doch der Kontakt war abgebrochen. Die Mutter suchte verzweifelt nach ihm. Als es den Hinweis gab, er sei auf einem Schiff auf dem Weg nach Bremerhaven, nahm die Mutter die damals fünfjährige Karin und fuhr mit der Bahn von Nürnberg aus nach Bremerhaven. Beide waren gespannt, wie der Onkel sie empfangen würde. Es ging hinauf auf das riesige Schiff. Und Rudolf freute sich sichtlich, die beiden zu sehen. Er nahm die kleine Karin in den Arm und warf sie in die Luft. Die anderen Seeleute freuten sich mit ihm. Das beeindruckte die Fünfjährige so sehr, dass sie wochenlang immer wieder das Schiff malte, die Seeleute und den Hund, der auch an Bord lebte.
Karin Achtelstetter wuchs in einem Nürnberger Stadtteil auf, in dem Kinder eigentlich nicht aufs Gymnasium gingen. Ihre Mutter nahm das nicht hin und fand schließlich eine evangelische Schule, die ihre Tochter aufnahm. Dort entstand auch der Wunsch, Theologie zu studieren. Als die Theologie Karin Achtelstetter zu eng wurde, studierte sie außerdem Soziologie und Psychologie und den damals noch ganz neuen Studiengang Women Studies, den es zu der Zeit nur in England gab.
Nach dem Studium folgte ein journalistisches Volontariat. Von Bayern ging es nach Genf zum Lutherischen Weltbund, im Anschluss zum Ökumenischen Rat der Kirchen, wo sie an wichtigen Stellen die Geschicke der Ökumene mitgestaltete. Die Leitung bei der ökumenischen Organisation für christliche Kommunikation (World Association for Christian Communication, WACC) führte Karin Achtelstetter ins kanadische Toronto. Dort wurde die heute 65-Jährige später Leiterin der internationalen Hilfsorganisation der Kanadischen Lutherischen Kirchen.
Zur Einführung kamen Naveen Qayyum, Pressesprecherin der Konferenz Europäischer Kirchen, eine Delegation der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Brüssel, der Dezernent für Religionsfragen der Stadt Antwerpen, ein Vertreter der belgischen protestantischen Kirche VPKB, die Kollegen der ökumenischen Seemannsmission in Antwerpen und Gemeindemitglieder der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde.
Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der neuen Kollegin mit reichen Erfahrungen in der weiten ökumenischen Welt.
Pastor Matthias Ristau
Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission

