Die Lage der Seeleute am Day of the Seafarer 2024

Meine Sicht  – Gedanken vom Generalsekretär  

Matthias Ristau steht an die Reling gelehnt in gelber Warnjacke auf einem Schiff. Im Hintergrund ist die Elbphliharmonie zu sehen - DIe Lage der Seeleute

„Seit die Menschenrechte der Seeleute während COVID völlig ignoriert wurden, ignoriere ich den Tag der Seeleute“, schreibt uns ein Chief Engineer (Leitender Ingenieur) heute.

Das kann ich gut verstehen. Es darf kein Tag der schönen Reden und netten Worte sein. Dann ist das „Danke, liebe Seeleute!“ hohl und leer.

Klare Worte sind nötig, denn an dem Tag geht es um das Wohl der Seeleute. Die Lage der Seeleute muss angesprochen werden.

Meine sieben Worte zum Tag der Seeleute im Jahr 2024:

1. Seeleute und Handelsschiffe dürfen nicht angegriffen werden!

Auf ein paar Kieselstein steht ein Bilderrahmen mit goldenem Rahmen. Drinnen ist ein weißes Blatt mit Text. Das WOrt Piracy, englisch für Piraterie ist zu erkennen. Und ein Foto des blauen großen Schiffs, der Galaxy Leader. Seit 3 Monaten sind die Seeleute als Geiseln festgehalten
Ein Foto der Galaxy Leader steht im Seemannsclub Welcome in Bremerhaven, weil Schiff und Seeleute dort oft zu Gast waren

Seit November 2023 werden Handelsschiffe im Roten Meer und rund um den Jemen angegriffen. Die Seeleute der Galaxy Leader sind immer noch Geiseln der Huthi, nachdem ihr Schiff am 19.11. im Roten Meer überfallen und gekapert wurde. Über 60 Schiffe wurden angegriffen, immer wieder gab es Treffer und auch verletzte und getötete Seeleute. Mindestens drei Schiffe sind gesunken.  Ich denke heute an die Seeleute der Galaxy Leader und ihre Familien, an die Angehörigen der Getöteten und an alle an Leib und Seele verletzten.

Viele Schiffe der großen Containerreedereien fahren den deutlich längeren Umweg ums Kap der Guten Hoffnung. Auch viele Tanker nehmen diese Route. Es werden aber immer noch viele Schiffe durch die Krisenregion geleitet.

Für die Seeleute ist es eine große psychische Belastung, dort unterwegs zu sein. Rechtlich gesehen, müssen Seeleute vorher gefragt werden, ob sie durch so ein Kriegsgebiet fahren. Meiner Ansicht nach wäre es besser, wenn die Schifffahrt sich weigern würde, durch die Region zu fahren. Dann wäre allen klar, dass zivile Schiffe alle versorgen und nicht angegriffen werden dürfen.   

2. Russische und ukrainische Seeleute zusammen an Bord – bitte überdenken!

Der Krieg in der Ukraine bringt weiter hohe Belastungen für die Besatzungen der Schiffe, die in der Region unterwegs sind und natürlich vor allem für Seeleute aus dem angegriffenen Land. Sie sind an Bord unterwegs und hören oft furchtbare Nachrichten aus der Heimat.
Von unseren Kolleg*innen in den Häfen höre ich, wie belastend gemischte Crews sind. Auf Fragen antworten die ukrainischen Besatzungsmitglieder es sei alles gut. Natürlich! Sie wollen ja ihren Job nicht verlieren. Aber aus Gesprächen wissen wir, wie psychisch belastend es ist, neben den Nachrichten aus der Heimat auch noch Kommentare der Kollegen aus dem Land des Aggressors zu hören – und dann läuft noch ein Propagandasender an Bord.  Das sollten alle Reedereien überdenken.

3. Seeleute als Key Workers?  – Lehren aus der Pandemie? Ja, aber nicht überall. Es gibt eine gegenläufige Entwicklung.    

Immer wieder höre ich: in der Corona-Pandemie ist endlich deutlich sichtbar geworden, wie wichtig die Seeleute sind – und der Einsatz der Seemannsmissionen.  
Und ich freue mich, wenn wir von vielen Seeleuten hören, dass es auf ihren Schiffen jetzt Internet gibt. Und mehr Wertschätzung für die Menschen an Bord.
Das ist gut und zugleich gibt es eine gegenläufige Tendenz: im Seafarers Happines Index, bei dem die Zufriedenheit abgefragt wird, gab es mehrere Quartale, wo es abwärts ging. Ein Thema war mangelnde Qualität und Menge der Verpflegung an Bord (siehe dazu auch den BBC Podcast Hungry at Sea )
Auch die Schattenflotte von uralten Schiffen mit zweifelhaften Flaggenstaaten führt zu schlechten Bedingungen an Bord und zur Gefährdung anderer Schiffe und derer Besatzungen.

4. Landgang – Verantwortung in der Lieferkette!   

Die Deutsche Seemannsmission ist in 15 Ländern vor Ort. So erleben unsere Mitarbeitenden vor Ort Häfen, wo Landgang erschwert wird. Landgang ist ein Grundrecht der Seeleute und alle maritimen Akteure müssen sich dafür einsetzen, dass er überall möglich ist.
Landgang einzuschränken ist meiner Meinung nach eine Verletzung der Menschenrechte, denn das macht Seeleute faktisch zu Gefangenen am Arbeitsplatz.
Jede Reederei muss die Häfen und Terminals fragen: ist Landgang möglich? Wenn nicht: Warum nicht? Macht ihn möglich! Das ist die Verantwortung für die Menschen an Bord und sollte in jedem Nachhaltigkeitsbericht enthalten sein.

Jede Firma, die den Seetransport in der Lieferkette hat, muss die Reedereien fragen: setzt Ihr Euch aktiv für den Landgang ein? Fahrt Ihr Terminals an, wo die Rechte der Seeleute verletzt werden? Das gehört zur Verantwortung für die Nachhaltigkeit in der Lieferkette und sollte Teil der Sorgfaltspflicht nach dem Lieferkettengesetz sein.

    

5. Fachkräftemangel – gut, dass die Branche umdenkt

Die Schifffahrt braucht Fachkräfte, auch in und aus Deutschland. Wir als Deutsche Seemannsmission unterstützen die Werbung um Nachwuchs. Denn wir wissen, wie wichtig es ist, dass es in Deutschland maritimes Know-how in maritimer Wirtschaft und Behörden gibt.
Auf den Foren zum Thema und in der maritimen Öffentlichkeit erlebe ich ein deutliches Umdenken. Wir als Branche müssen uns ändern! Manches an den Bedingungen in der Schifffahrt lässt sich nicht ändern, vieles aber schon!
Internet an Bord ist heute keine Kleinigkeit, sondern ein Muss. 

Neben der Gewinnung von Arbeitskräften ist auch das Halten des Personals wichtig. Die Deutsche Seemannsmission ist schon seit fast 140 Jahren für Seeleute da und trägt zu ihrem Wohlergehen bei. Mental Health ist jetzt auch Thema in der Schifffahrt, für uns schon von Anfang an.  

6. Sichtbarkeit der Schifffahrt – es geht voran   

In den letzten Jahren war ich bei vielen Events zum Thema maritime Fachkräfte. Was dabei angesprochen wurde, war auch die mangelnde Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Da hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Große Reedereien sind vorangegangen, aber auch kleinere sind jetzt auf Social Media unterwegs und bei Events präsent.
Gut, ist auch die Seite Mach Meer, die über maritime Berufe informiert.  

7. Tipps für die Sicherheit  #safetyTipsAtSea – Wichtig für die Lage der Seeleute

So ganz glücklich bin ich mit dem Motto von der IMO für den Day of the Seafarer ehrlich gesagt nicht. Es wirkt für mich so, als ob er die Verantwortung auf die Seeleute schiebt – und dass an dem Tag, der ursprünglich auf sie hinweisen sollte.

Für Sicherheit an Bord sind zunächst gute Lebens- und Arbeitsbedingungen wichtig. Genügend lange Ruhezeiten, ein freier Tag pro Woche und dafür ausreichende Mindestbesatzung wären Schritte dahin.


Matthias Ristau –
am Tag der Seeleute 2024

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