weihnacht an bordWeihnachtsgeist im Seemannsclub

Seemannsmissionen bescheren Schiffsbesatzungen mit Tausenden Geschenken und einer Brücke in die Heimat

Schiffsbesatzungen erleben Weihnachten oft fern der Familie. Die Seemannsmission sorgt deshalb gerade jetzt trotz der Krise in der Branche für ein wenig Heimat in der Fremde. Wichtigste Hilfsmittel: Telefonkarten und ein Festschmaus.

Bremen (epd). Seemannsdiakon Michael Wechsler sucht noch fieberhaft nach einem Spanferkel. Gar nicht so einfach, schließlich ist die Grillsaison längst vorbei. Aber: "Für philippinische Seeleute ist das Ferkel zu Weihnachten so wichtig wie für die Deutschen der Gänsebraten", sagt der Mann aus Wilhelmshaven. In den Häfen an der Nordseeküste sorgen er und mit ihm alle Mitarbeitenden der Deutschen Seemannsmission dafür, dass Seeleute zu Weihnachten für ein paar Stunden den Kopf frei bekommen - meist weit weg von Heimat und Familie.

Damit das gelingt, kommt im Hamburger Seemannsclub "Duckdal-ben" zum Fest eine andere Spezialität auf den Tisch. "Wir machen Indoor-Barbecue", verrät Clubleiter Jan Oltmanns und meint damit Raclette, das bei den Seeleuten ebenfalls äußerst beliebt ist.

Weihnachtsfeiern mit Spanferkel und Indoor-Barbecue - das sind willkommene Höhepunkte in trister Lage. Die Frachtraten sind schlecht, viele Schiffe dümpeln ohne Ladung als "Auflieger" in den Häfen. Die Schifffahrtsbranche steckt seit Jahren in der Krise - und mit ihr Seeleute aus aller Welt, die an Bord von Containerriesen, Tankschiffen oder Massengutfrachtern die globale Wirtschaft mit Waren und Rohstoffen beliefern. Teils mussten sie Lohnkürzungen hinnehmen, teils mit ausgedünnter Besatzung klar kommen.

 

Mit Bordbesuchen und Tausenden Geschenktüten sorgt die evangelische Seemannsmission an der Deutschen Bucht deshalb dafür, dass sich wenigstens zum Fest die Stimmung aufhellt. "Die Schiffe werden immer größer, der Druck wächst", sagt der Bremerhavener Seemannsdiakon Thomas Reinold. "Deshalb sind die Leute dankbar, wenn einer Geschenke bringt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten."

Die philippinischen Seeleute freuen sich besonders über die Telefonkarten in den Geschenktüten. Sie sind für sie die Brücke zu ihren Familien in der Heimat, die nach dem verheerenden Taifun Haiyan in den betroffenen Gebieten immer noch im Chaos versinkt. "Die Leute wollen sich informieren und ihren Angehörigen Mut machen", sagt der Emder Seemannspastor Meenke Sandersfeld.

Im Club können sie in Ruhe mit ihren Familien telefonieren oder über das Internet Verbindung aufnehmen. Dass das viel zu oft nur virtuell geschieht, zeigt das Beispiel eines Seemanns, den sein dreijähriger Sohn nur vom Computerbildschirm kennt. Er hält ihn für einen Geist, den man wie das Gerät ein- und ausschalten kann. Der jüngste Sohn, noch kein Jahr alt, nennt den Laptop der Mutter, auf dem Papa immer beim Skypen erscheint, schlicht "Dad".

"Abschied nehmen, Monate weit weg von Zuhause, selten Kontakt, das ist schwer für die Seeleute", berichtet die Generalsekretärin der Deutschen Seemannsmission in Bremen, Heike Proske. "Doch das bringt der Beruf mit sich, Liebeskummer inklusive."

Auch deshalb sind die Bordbesuche so wichtig. Selbst gestrickte Socken, Telefonkarten, Schoko-Weihnachtsmänner, Mützen, Duschgel, Thermo-Kaffeepötte, Taschenlampen: In diesen Tagen schleppen der Cuxhavener Seemannsdiakon Martin Struwe und seine Kollegen in den Nordseehäfen rund 5.500 Geschenktüten an Bord. "Das wärmt Seele und Körper." In Übersee sind es teils noch wesentlich mehr, weiß Generalsekretärin Proske. "Allein bei der Deutschen Seemannsmission in Hongkong wurden 10.000 Päckchen gepackt."

Bordbesuche mit Posaunenchören am "Heiligmorgen" in Bremen und Bremerhaven, festliche Ständchen mit Flöte und Gitarre in Cuxhaven, Kinder in Brunsbüttel, die für die Seeleute Kekse backen, und überall Gottesdienste zum Fest: "Das zeigt den Seeleuten, dass es an Land Menschen gibt, die an sie denken", meint Proske. Zu oft werde vergessen, dass mehr als 90 Prozent der weltweit gehandelten Waren mit dem Schiff zu uns kommen. So gesehen bringt nicht der Weihnachtsmann die Geschenke. Es ist der Seemann.

Von Dieter Sell und Jörg Nielsen (epd)


 

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festmachen 2017 08 thumb200 Wie tief doch Paulus Glauben war! Als er diesen Satz spricht, könnte er doch eher enttäuscht von Gott sein. Steht er doch gerade unter Anklage vor Gericht. Sätze, wie „Gott, wie konntest Du mich in diese Lage bringen? Oder wie konntest Du das zulassen?“, fallen mir da ein.

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