1. Korinther 9,16-23, Predigt Pfarrer Hein Spreckelsen anlässlich der Weltkonferenz der Seemannsmission 2005

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Zum Abschluß der Ersten Weltkonferenz der DSM
Boten des Lebens, Boten des Glaubens
Gedanken von Landessuperintendent i. R. Hein Spreckelsen


Der Absender ist „Paulus, berufen zum Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes“ (1,1). Die Adressaten in Korinth haben ihn gefragt: Was machst du denn überhaupt so als Apostel? Darauf Paulus: Ich predige das Evangelium.

Stellen Sie sich vor: Wir haben uns zur Weltkonferenz versammelt zum ersten Mal. Und wir haben es gefeiert, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hongkong bis Valparaiso und von Durban bis Mäntyluoto sehen und sprechen können. Wann kommt das schon vor?! Dazu haben wir auf der Weltkonferenz am Leitbild der Seemannsmission gearbeitet. Stellen Sie sich vor, nun käme jemand und fragte: Was habt ihr gemacht und was macht ihr bei der Seemannsmission? Und ich würde antworten wie Paulus: „Wir predigen das Evangelium.“

Ich versuche mir vorzustellen, wie Sie auf eine solche Antwort reagieren würden ... Was Paulus damals zu hören bekommt, ist eindeutig. „Ach, sieh mal an. Wir haben von deiner Reisetätigkeit vernommen; wir haben gehört, dass du Stationen gegründet hast, in Philippi, in Saloniki. Hin und wieder musste zwar eine Station wieder aufgelöst werden. Das alles haben wir gehört. Aber speziell von der Predigt des Evangeliums haben wir noch keine Erfolgsmeldungen erhalten.“ Darauf Paulus: „Dass ich das Evangelium predige, muss ohne Erfolgsmeldung vor sich gehen.“

Hatten wir nicht bei der Seemannsmission gesagt: Wir müssen die Öffentlichkeitsarbeit verstärken? Hatten wir das Leitbild nicht auch erarbeitet, um uns in den Öffentlichkeit besser darstellen zu können? Das alles ist richtig und notwendig. Aber: Die Predigt des Evangeliums bringt keine Schlagzeilen. Das ist ihr erstes Kennzeichen.

Paulus fährt fort: „Dass ich das Evangelium predige, geschieht ohne Entgelt.“ Die Gemeinde in Korinth war es gewohnt zu zahlen. Motto: Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Warum der Paulus nur nichts nimmt für seine Predigt? Jesus, von dem er immer redet, hat doch selber gesagt: „Ein Arbeiter“, und er meint die von ihm zur Predigt ausgesandten Jünger, „- ein Arbeiter ist seines Lohnes wert“ (Luk. 10,7 b). Paulus dagegen verdient sein Geld mit Reiseausrüstungen: mit Zelten, die er herstellt, und mit Teppichen für die kühlen Nächte. Die Predigt des Evangeliums aber wird nicht bezahlt. Bei ihm nicht. Die Weitergabe des Evangeliums für die Reise durch das Leben kostet nichts. Sie ist für Paulus unbezahlbar. - Wie ist das bei der Seemannsmission? Die kostet. Die Häuser kosten, die sie bereithält; die Betten und die Clubs und die Guten Stuben kosten. Aber die Predigt des Evangeliums kostet nicht. Sie ist auch nur schwer planbar. Sie ist der Mehrwert, der nicht kalkulierbar ist im Leben der Seemannsmission. Und sie kommt nur an, wo und wann es Gott selber gut erscheint. Die Predigt des Evangeliums kann nicht kostenpflichtig sein. Das ist ihr zweites Kennzeichen.



Fassen wir zusammen: Die Predigt des Evangeliums unterliegt nicht den Kriterien der Öffentlichkeitsarbeit und nicht den Maßstäben der Wirtschaftlichkeit. Trotzdem geschieht sie.

Wie aber sieht denn nun die Predigt des Evangeliums positiv aus?

1. Paulus: „Ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte ... Mir ist doch das Amt anvertraut.“ Die Predigt des Evangeliums geschieht, weil mir jemand zugetraut hat, das Evangelium weiterzusagen. Dass mir jemand so etwas zutraut, macht mich stark. -

Als ich ungefähr acht Jahre alt war, hat mich mein Vater auf die Post geschickt. Er gab mir viel Geld mit: die Kindergottesdienstkollekte mehrerer Monate. In der Hand hatte ich die Zahlkarte. Als ich alles erledigt hatte und wieder nach Hause kam, war ich innerlich einen Kopf größer geworden. Mein Vater hatte mir so viel zugetraut. -

Dass uns jemand sagt: Ich kann dich brauchen, macht unser Leben wertvoll. Jetzt das investierte Vertrauen weitergeben! Investiertes Kapital arbeitet. Die Predigt des Evangeliums baut auf Vertrauen und strahlt Vertrauen aus. Das geschieht in der Seemannsmission. Vertrauen weitergeben ... Wie geht das?

a) Wir predigen das Evangelium im Gottesdienst, in den Andachtsräumen und Kapellen unserer Häuser. Kaum ein Seemannsheim ohne Andachtsraum, und kaum eine Station, in der es nicht eine Stille Ecke, auf jeden Fall aber eine Bibel und ein Gesangbuch gibt.

Wir feiern die großen christlichen Feste und verteilen zu Weihnachten Tonbänder mit Glockengeläut und Lukas 2. Wir kommen aus der christlichen Tradition und aus christlichen Gemeinden. Darin sind wir fast alle groß geworden und erzogen.

Paulus hat gesagt: Denen, die unter dem Gesetz, nämlich damals der jüdischen Tradition, sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden; denn ich gehöre hinein in das Volk des Gesetzes. Es gehört zu meiner Identität, mich auf den Pfaden zu bewegen, die sich der Glaube im Laufe vieler Generationen gebahnt hat. -

Dann aber reckt sich Paulus auf: Aber ich selbst bin nicht unter dem Gesetz. Also: Ich muss nicht immer auf den gebahnten Wegen bleiben. Manchmal, da muss ich auf die Reise, und die Reise ist unwegsam, und am Wegrand steht kein Thoraschrein. Manchmal, da muss ich aufs Schiff und verliere den Weg unter den Füßen, und auf dem Schiff kann ich das Sabbathgebot nicht einhalten.
Darum:
b) Manchmal, da steige ich aus meiner Tradition aus. Dann geht Evangelium predigen anders. Dann heißt es - in Abwandlung eines Satzes, den Carl Osterwald formuliert hat: Singen ohne Noten und Turnen ohne Netz. Dann bin ich denen, die ohne Gesetz sind, wie einer ohne Gesetz geworden. Und den Schwachen, denen, die unter den Menschen ihren Wert und ihre Würde verloren haben; denen, die sich unter Wert verkaufen und ohne Absicherung leben und arbeiten müssen, - den Schwachen bin ich wie ein Schwacher geworden. -

Seemannsmission ist dann oft kaum noch erkennbar. Keine Bibel in der Hand, kein Gesangbuch auf der Kirchenbank, kein Kreuz am Jackenkragen. Mit denen eins sein, die unter Druck sind, heißt dann aber auch: Selber ihrem Druck ausgesetzt sein, selber in der Fremde sein, selber anderen unbequem werden (weil man ja für die Menschen ohne Stimme reden und rufen muss). Manchmal, da zeichnet sich das Kreuz nicht in unsere Wimpel ein, auch nicht in unsere Worte, auch nicht in einzelne unserer Taten, sondern in unsere Person. Das meint Paulus: Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden - obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern in dem Gesetz Christi. Und das Gesetz Christi ist das Kreuz, das sich in unser Leben einzeichnet.

Zugegeben, mir wird schon ein bisschen schwindlig. Wo ist denn nun das Evangelium geblieben, das die Seemannsmission - oder Paulus - verkündigen? Da ist einmal der feierliche Gottesdienst mit Wort und Sakrament. Aber da ist ein anderes Mal das bloße Mit-Sein mit denen, die gerade ein Scheerblatt für ihren Rasierer brauchen oder eine Telephonkarte oder die in einer Ecke der Messe uns eben noch einen Satz sagen müssen.

Was heißt dann noch das Evangelium predigen? Paulus sagt: Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. Retten. Das ist es. Heil werden lassen in leiblicher und seelischer Bedrängnis. Heil aber bin ich nie für mich allein. Heil und ganz werde ich nur, wenn ich ein Gegenüber habe, einen anderen Menschen, der mir Vertrauen schenkt und mich spüren lässt: Du bist nicht allein. Darum geht es: auf alle Weise einigen das Heil weitergeben

Dieses Ziel ist so groß, dass wir es kaum bekannt machen können. Hier kommt unsere Öffentlichkeitsarbeit an ihre Grenzen. Aber wenn wir nicht weiter kommen, dann ist da immer noch wer, der unsere Öffentlichkeitsarbeit weiter betreibt. In einem unserer bekanntesten Weihnachtslieder heißt es: „Hirten erst kund gemacht durch der Engel Halleluja, tönt es laut von fern und nah: Christ der Retter ist da; Christ der Retter ist da.“

Als zum Auftakt der Ersten Weltkonferenz die Crew der Seemannsmission mit ihren Gästen auf dem HADAG-Schiff „Kirchdorf“ durch den Hamburger Hafen fuhr, da haben punktgenau die Schiffe an den Kajen ihre Sirenen dröhnen lassen. Die dabei waren, haben gesagt: Das war mehr als an Silvester. Das - war wie Weihnachten. Und da haben manche die Engel singen gehört. •

 

Für den Gottesdienst

Machine-Translation into:

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Lukas 1,78-79 (Lutherbibel)

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Vier Lichter bringen die Adventsbotschaft im Dezember mitten in unsere Stuben oder Kajüten. Sie sind ein Abglanz des großen "Lichtes aus der Höhe", das mit der Geburt Jesu, in die Welt gekommen ist.

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