Denkanstoss

Wunder und Geheimnis

Nachdenklich verließ ich das Kino, in welchem ich mir die Neuverfilmung  von „Berlin Alexanderplatz“ in Anlehnung an Motiven von Alfred Döblins gleichnamigen Roman angeschaut hatte. Francis, ein Flüchtender aus Zentralfarika landet in Berlin und will sich dort eine Existenz aufbauen. Er will „gut sein“ gegen alles Böse wie er es immer wieder beteuert, weil er aus dem was hinter ihm liegt lernen will. Er gerät in die Hände des skruppelos Bösen, dass seinen permanennten Versuch „Gut zu sein“ sehr perfide und subtil kontakariert und am Ende dennoch auf der Strecke bleibt. Der Focus der  Handlung ist auf den Flüchtenden Francis grichtet . Sehr deutlich wurde mir einmal mehr  an dieser medialen Parabel die Frage, welche Chancen haben Menschen auf der Flucht tatsächlich in unserem Land, in unserem Sozialsystem. Sofort nach Antragstellung wird das Recht auf Asyl eingeschränk. Ohne ihr Zutun werden Flüchtende in die Grauzone von Legalität und Illegalität gedrängt, in das Spannungsfeld von Gut und Böse. Schamlos wird oft eben diese Situation ausgenutzt und am Ende zahlen  die  Geflüchteten die Zeche.

Eben dies wird in dem Film sehr deutlich herausgestellt. Zugleich zeigt er uns aber auch dies: Weiterhin an das Gute zu glauben, gegen alle Vernunft. Immer wieder aufzustehen und es erneut zu versuchen gegen die Unvernuft des Bösen.. Wenige Tage nach dem Kinobesuch fiel mir dazu  ein Zitat von Ernesto Cardenal in die Hände: „Unser tägliches kleines Leben ist voller Wunder und Geheimnisse“ Eben dafür offen und sensibel zu bleiben hilft uns dem Bösen zu widerstehen und wir erleben das Wunder und das Geheimnis dessen was Gut ist.

Diakon Folkert Janssen, Rostock
 
 

news containerhafenSeeschifffahrt

Gefangen an Bord

Seeleute dürfen ihr Schiff seit Monaten nicht verlassen. Vor neun Monaten hatte Marius (38) zum letzten Mal festen Boden unter den Füßen.

Damals stieg der Filipino als Steward an Bord des Frachters „Sonderborg”. Dann begann die Coronakrise. Häfen und Reedereien weltweit verboten den Schiffsbesatzungen an Land zu gehen.

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altona sturmDSM Altona

Seemannsdiakon Sturm: ein Corona-Tag in der Seemannsmission

Während wir am Anfang der Corona-Krise so gut wie nichts zu tun und nur zwei Seeleute im Haus hatten, die wegen Verletzung und Krankheit nicht nach Hause kamen, hat sich die Situation nun grundlegend gewendet. Zwischenzeitlich nahmen wir auf Bitten des Hafenärzlichen Dienstes einige der wenigen positiv getesteten Seeleute auf. Sie mussten in Quarantäne. Wir haben sie zwei Wochen lang versorgt, bis sie genesen waren.

Jetzt sieht es so aus, dass unser Haus – immerhin fünf Etagen hoch mit knapp 40 Gästezimmern – ziemlich voll ist mit Seeleuten. Viele von ihnen haben ganz persönliche Herausforderungen in den letzten Monaten durchgemacht. Die normale Trennungszeit von der Familie hat sich in manchen Fällen auf bis zu 16 Monate ausgedehnt. Und manch einer weiß immer noch nicht, wann und wie er wieder nach Hause kommt

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container shipLieferkettengesetz

Willkommen an Bord: 100. Organisation tritt der Initiative Lieferkettengesetz bei

Menschenrechte und Umweltschutz brauchen endlich einen gesetzlichen Rahmen – diese Forderung wird immer lauter. Über 200.000 Menschen haben die Petition an die Bundeskanzlerin bereits unterzeichnet. Und seit heute besteht das Bündnis aus unglaublichen 100 Organisationen.

Was haben attac und der Katholische Deutsche Frauenbund gemeinsam? Das Welthaus Bielefeld und der WWF? Oder das Kolping-Werk und Slow Food Deutschland? Sie alle sind der festen Überzeugung: Skrupellose Geschäftspraktiken dürfen sich nicht länger lohnen. Sie alle unterstützen die Initiative Lieferkettengesetz.

Als sich im September 2019 das Bündnis gegründete, waren es 64 Organisationen. Seitdem hat die Debatte rund um ein Lieferkettengesetz an Fahrt aufgenommen. Und auch das Bündnis ist immer größer geworden: Heute begrüße es die 100. Organisation an Bord – und mit der Deutschen Seemannsmission eine ganz besondere!

Die Initiative Lieferkettengesetz freut sich, die Seemannsmission zu ihren Unterstützern zählen! Zusammen setzen sie die Segel, um das gemeinsames Ziel zu erreichen: Eine Welt, in der Unternehmen Menschenrechte achten und Umweltzerstörung vermeiden – auch im Ausland.

Text von lieferkettengesetz.de (Externer Link)

 

Lieferkettengesetz

Die Seefahrt ist ein Glied der Kette

Als Deutsche Seemannsmission sind wir in vielen Formen für Seeleute da: mit praktischer Unterstützung an Bord und an Land, mit Gespräch und Seelsorge und auch im Einsatz für die Rechte der Seeleute, denn unser übergeordnetes Ziel ist die Verbesserung der Lebensund Arbeitsbedingungen der Seeleute.

Die Welt an Bord ist für die meisten unsichtbar. Wir sehen sie und hören von den Seeleuten. Sie arbeiten unter ganz unterschiedlichen Bedingungen. Viele Reedereien sind sich ihrer Verantwortung für die Seeleute bewusst. Aber es gibt noch einiges zu tun, damit es auf allen Schiffen fair zugeht. Das internationale Seearbeitsübereinkommen Maritime Labour Convention (MLC, 2006) sorgt dafür, dass Mindeststandards fast weltweit gelten. Der Deutschen Seemannsmission geht es darum, diese im Interesse der Seeleute zu verbessern.

Allgemein „faire Bedingungen“ zu fordern, reicht nicht. Wir machen konkrete Vorschläge, über die wir mit Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik ins Gespräch kommen. Ein Punkt sind die Arbeitszeiten, denn nach der MLC 2006 sind bis zu 91 Stunden pro Woche erlaubt. Außerdem haben viele Seeleute keinen freien Tag, auch wenn sie monatelang an Bord sind.

Hier gibt es eine Verantwortung der Gesellschaft, denn die 1,5 Millionen Seeleute aus aller Welt sind für uns alle unterwegs. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass Seeleute systemrelevant sind. Sie sorgen für volle Regale in den Märkten, Teile für die Produktion und ermöglichen den Export der deutschen Wirtschaft.

Deshalb unterstützen wir die Kampagne für ein Lieferkettengesetz, bei dem für die Transportbranche eine besondere Sorgfalt der Unternehmen gilt. Dies kann auch für weltweit fairere Bedingungen für Seeleute sorgen.

Matthias Ristau
 
 

news seeleute coronaStimme der Seeleute

Corona-Krise: Bischöfin fordert Hilfe für Seeleute

Tausende Besatzungsmitglieder sitzen wegen Corona auf ihren Schiffen fest: im Hamburger Hafen und weltweit. Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck und seit vergangenem Jahr auch Botschafterin der Deutschen Seemannsmission, hatte am Montag zum Hafendialog eingeladen, um auf die Lage dieser Seeleute aufmerksam zu machen und Wege aus der Krise zu diskutieren. Gekommen waren Vertreter von Hafen-Firmen, Verbänden, Gewerkschaften und Seelsorge-Einrichtungen.
Wechsel der Crews nicht möglich

"Tu auf den Mund für die Stummen". Mit dem Bibelwort beschreibt Kirsten Fehrs die Situation eines Berufsstandes, der kaum gehört wird. Als Folge von Corona sitzen derzeit weltweit etwa 200.000 Besatzungsmitglieder auf ihren Schiffen fest.

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Stimme der Seeleute

Appell von Bischöfin Fehrs an die Politik und die Bundesregierung

Bischöfin Fehrs spricht zur aktuellen Lage der Seeleute weltweit und appelliert an die Politik und die Bundesregierung sich international für das Recht auf Landgang der Seeleute einzusetzen


 

 

news fehrsStimme der Seeleute

Bischöfin Fehrs: Politik muss sich um Seeleute kümmern

Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs hat an die Bundesregierung appelliert, eine internationale Lösung für Seeleute auf den Weg zu bringen, die seit Monaten ihre Schiffe nicht verlassen dürfen. "Die Politik muss international die Flagge der Humanität für Seeleute zeigen", sagte Fehrs am Montag bei einem Besuch im internationalen Seemannsclub "Duckdalben" im Hamburger Hafen. Jetzt sei die Politik gefordert, für die Menschen an Bord der Schiffe zu sorgen.

Die Bundesregierung solle ihre außenpolitischen Kontakte nutzen, die restriktiven Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen an Bord so weit zu lockern, dass sichere Landgänge und Wechsel der Crews möglich werden, sagte die Bischöfin. So müssten Seeleute in ihre Heimatländer einreisen dürfen, und dafür müssten genügend Flüge zur Verfügung stehen.

Während an Land immer mehr Restriktionen gelockert werden, verharren weltweit etwa 200.000 Seeleute weiter auf ihren Schiffen. Die Corona-Pandemie bedeutet für viele von ihnen psychologische Not und soziale Härte: Sie dürfen ihr Schiff nicht verlassen, wenn Häfen keinen Landgang erlauben. Der Besuch eines Seemannsclubs, in dem sie einkaufen oder kurzen privaten Abstand zur Arbeit gewinnen können, ist eingeschränkt. Der sonst regulär vorgenommene Austausch der Mannschaften findet selten statt. Manche sind inzwischen mehr als zwölf Monate an Bord.

Es sei wichtig, dass die Politik den Einsatz der Seeleute für die Gesellschaft und für die Weltwirtschaft würdige, sagte die Bischöfin für die Hafenstädte Hamburg und Lübeck. Doch es reiche nicht, zu erkennen, dass auch Seeleute systemrelevant sind, weil sie für volle Regale und funktionierende Produktionen sorgen. "Es reicht nicht zu applaudieren: Wir müssen auch praktisch helfen", sagte sie.

Fehrs ist seit 2019 "Stimme der Seeleute" für die Deutsche Seemannsmission. Anlass für ihren Besuch im "Duckdalben" waren Vorbereitung für den "Tag des Seefahrers" am 25. Juni.

epd - evangelisch.de (Externer Link)
Foto: Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs - Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Stade
 
 
 

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